Diskursive Genderpässe
Hosenrollen gibt es bekanntlich schon bei Shake -speare, wenn etwa Viola sich als ihr Bruder verkleidet und beim Herzog reüssiert («Was ihr wollt») oder Prinzessin Rosalinde verkleidet ihren geliebten Ganymed anschmachtet («Wie es euch gefällt»). Ähnlich gelagert, aber mit moderneren Vorzeichen, ist die Sache bei «Gabriel», das jetzt am Neuen Theater Halle in der Regie von Alice Buddeberg Premiere hatte.
Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Dialogroman von George Sand aus dem Jahr 1839.
Darin wird Adelsspross Gabriel, geboren als Mädchen und abgeschottet von der Welt, als Mann erzogen, um so den Anspruch auf das Prinzenerbe zu wahren. Gabriel aber sieht im Materiellen nur unnötiges Zierrat und sucht, kaum dass sie/er flügge geworden ist, die Stadt und Cousin Astolphe auf, der zum verarmten Familienteil gehört – als Mann Gabriel, der antrainierten Geschlechteridentität. Nach einigen imposant männlichen Raufereien erkennen die beiden ausgerechnet zum Karneval das natürliche Geschlecht Gabriels. Sie verlieben sich ineinander, so dass nun vor allem die Frage im Raum steht, wie und wo Gabriel als welche Person auftritt und was dieses Wechselspiel der Geschlechter mit der Liebe der ...
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Theater heute Juni 2024
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Torben Ibs
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