K. im Homeoffice
Da steht er nun, die Beine breit, Gesicht zur Wand, den Hintern entblößt, und eine Geheimpolizistin scannt den sonst auf gut gepolsterte Bürostühle vertrauenden Allerwertesten des Versicherungsangestellten mit ihrem Smartphone kaltschnäuzig ab. Geht auch gleich viral, das Filmchen. Auf die Klicklust der Community ist Verlass, solange die Bilder die Basic Instincts ansprechen, also Hass und Häme, Sex und Sensationsgier.
Aber hat er das nicht provoziert, der gute Josef K.
? Die Ermittlerin geht ja nach allem, was das Freiburger Theaterpublikum von einer mit den Erfahrungen des iranischen Staatsregimes getränkten Kafka-Bearbeitung befürchten musste, erstaunlich korrekt vor. Exzessive Willkür würde man Marieke Kriegels Auftreten jedenfalls nicht als Erstes vorwerfen.
Sie informiert K. im Hausflur lediglich, er sei verhaftet. Grund gleichgültig, wir sind hier bei Kafka. Dass K. die Situation – er im Bademantel, sie vermeintlich seine Nachbarin – gründlich missversteht, die schlaksige Jungmännerbrust etwas unbeholfen plustert und aufreißerisch kundtut, er möge es auch mal härter – nun, das ist ja nicht die Schuld der Behörden.
Ohnehin trotzt Thieß Brammers K. aufrichtig renitent, aber ...
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Theater heute Februar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Stephan Reuter
«Keyboard, Flöte, Kartoffelbrei» und «Fieber, Summen, Sorge» heißt es, unterbrochen von «Fernsehverbot, Brettspiele und ‹Trinkflasche, nicht beschriftet›». Zwei Performerinnen bewegen sich dazu im Kreis, krabbeln zunehmend erschöpft über ein paar zusammengeschobene Stühle. Zwischendurch stimmen sie ein Kinderlied an und rufen panisch: nach den Ballettschläppchen,...
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