Jenseits des Semmering

Im zweiten Jahr leitet Anna Badora jetzt das Grazer Schauspielhaus – und das Theater ist im Aufwind. Grund für einen «zweiten Blick», denn wie gut eine Intendanz wirklich ist, zeigt sich nicht unbedingt schon beim Start, sondern auf der Mittel- und Langstrecke ...

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Wer am Grazer Schauspielhaus arbeitet, hat einen unbestreitbaren Vorteil: Er kann das in aller Ruhe tun. Kein Schwein ruft an, und die internationale Presse rätselt seit Jahrzehnten darüber, wie man da eigentlich hinkommt. Selbst die Österreichische Bundesbahn schickt, eine gelinde Unverschämtheit, ihre klapprigsten Wagengarnituren auf die Südbahnstrecke über das Semmering-Gebirge in Richtung der steiermärkischen Hauptstadt. Für die Theaterkritik aber war das auch deshalb kein Problem, weil Theater in Graz noch nie wirklich funktioniert hat.

Zwar bemüht sich auch das in die Jahre gekommene Avantgarde-Festival «Steirischer Herbst», in Graz Theater zu machen, auch in Kooperation mit dem Schauspielhaus. Aber da gab es dann in der Diaspora die Uraufführung von Heiner Müllers «Bildbeschreibung», und keiner wusste so recht, wohin damit. Der große österreichische Romancier Gerhard Roth scheiterte mit seinen Dramen, der Lokal-Matador Wolfgang Bauer wurde nicht ernst genommen, und der Grazer Dramatiker Werner Schwab startete seine Karriere in Wien. Graz schien auf immer die Bühnenreife verfehlt zu haben.

Dann kam vor eineinhalb Jahren Anna Badora. Ein Rätsel, auch unter Kennern, wie sie nach ...

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Theater heute März 2008
Rubrik: Der zweite Blick, Seite 38
von Helmut Schödel

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