Ansichten eines Waldarbeiters
Selten spielt ein Film über einen erfolgreichen Bühnenkünstler so viel im Wald. Nicht etwa im Wald als einem romantisch aufgeladenen Sehnsuchtsort und Schauplatz dramatischer Weltliteratur, sondern ganz nüchtern als landwirtschaftliche Nutzfläche, als Ort von Arbeit im engeren Sinn, denn seinen «Nebenberuf» Schauspieler hat Josef Bierbichler, Sohn einer Bauern- und Gastwirtsfamilie aus Ambach am Starnberger See, nie eigentlich als solchen empfunden.
Klagen aus der Kollegenschaft wegen chronischer Überlastung hält er schlicht für übertrieben: «Dass das jetzt die riesengroße Anstrengung wäre, stimmt einfach nicht», erklärt er ungerührt. Holzhacken dagegen ist nicht nur eine schweißtreibende, sondern vor allem auch Kraft und Präzision erfordernde und auch optisch eindrucksvolle Tätigkeit, etwas, das Bierbichler – und das betont er nicht ohne Stolz – richtig gut kann. Und so sieht man ihn gleich in der ersten Einstellung von Regina Schillings gelungenem Filmporträt «Bierbichler» mit federnden Axthieben im eigenen Forst einen Buchenstamm spalten.
Selbstporträts im Rahmen
Die Szene hat er selbst aufgenommen, allein mit einer Mini-DV-Kamera, die er wahrscheinlich auf einem Baumstumpf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Irgendwann Anfang der siebziger Jahre, so genau erinnert sich keiner der Beteiligten, strichen zwei Männer mit hochgekrempelten Hosenbeinen an den überfüllten Stränden von Sosopol entlang. Der eine rief ständig «Margit», während der andere sich nach «Jürgen» heiser schrie: Heiner Müller und Dimiter Gotscheff hatten sich an der bulgarischen Schwarzmeerküste locker...
Eine Uraufführung mit mehr als 40 Jahren Verspätung – was kann das bringen? Einiges. Etwa wenn das Stück sich durch die Verzögerung als prophetisch erweist. Peter Weiss schildert in seinem 1964 verfassten «Inferno» die Rückkehr des Dichters Dante aus dem Exil in seine zum Wirtschaftswunderland gewordene Heimat, wo man ihn in das fortschrittsgläubige System aus...
Das Schauspielhaus liegt in Wien-Alsergrund, also mitten in Dodererland. Der Wiener Schriftsteller Heimito von Doderer (1896–1966) hat den neunten Bezirk mit seinem Roman «Die Strudlhofstiege» (1951) in die Literaturgeschichte eingeschrieben. Und das Schauspielhaus in der Porzellangasse befindet sich mitten am Schauplatz: Melzer, der Held des Romans, wohnte ein...
