Der Gesang des Schreies
Ihr Mund ist es, der einen verfolgt. Wenn Almut Zilcher den Mund öffnet, meint man, die Bühne verwandle ihr Format – von der Totale zur Großaufnahme. Ist er stumm, dieser Mund, oder seufzt er, giert er, lacht, weint oder schreit er? Der Schrei, so Jean-Jacques Rousseau, gebäre sich aus dem Willen zum Überleben des Menschen. Mit ihm verwildert die Stimme, echot zurück zu den Wurzeln, spuckt das gesammelte Gekreisch aus. Und der ganze Mensch wird Biologie. Der Mund wird zur Wunde – und zum Geschlecht wie in einer surrealistischen Montage von Dali, Buñuel oder Hans Bellmer.
Er öffnet einen Spalt zur Welt und reißt ein Loch ins Netzwerk sozialer Übereinkunft. Der Mund «als Fleisch, das zu reden beginnt», so beschreibt den Vorgang ihr Mann Dimiter Gotscheff und hat – wie immer – ein Heiner-Müller-Zitat parat: «Der Mund entsteht mit dem Schrei.» Almut Zilcher ist eine Mund-Schauspielerin, wie Jeanne Moreau oder Anouk Aimée. In Fellinis «Stadt der Frauen» hätte sie eine Rolle spielen, sein «Achteinhalb» um das Traumgesicht einer Femme fatale bereichern können.
Die Bühne steht ihr gut
Dabei sieht und fühlt Almut Zilcher sich selbst ganz anders, beschreibt sich als «schüchternen Typ». ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Intendant gerät ins Schlingern. Schon vor der ersten Premiere. Ist ja auch ungewohnt, das Terrain, über das der neue Leiter des Aachener Theaters da schlittert. Nicht nur die Stadt ganz im Westen ist für Michael Schmitz-Aufterbeck – zwar gebürtiger Rheinländer, aber zuvor am Theater Luzern als Operndirektor engagiert – noch etwas fremd. Auch das Gebäude, in dem...
Barbara Burckhardt Der Held ihres Theaterstücks «Orpheus, Illegal», Stanislaw Perfetzki, ein reisender Dichter und politischer Aktivist, scheint nicht nur Ihr Alter Ego zu sein, er ist auch identisch mit dem Protagonisten Ihres dritten Romans von 1996, «Perversion», der ebenfalls nach Venedig reist, einen Kongress besucht und sich in eine schöne Ada verliebt....
Ausgerechnet am Tag nach der Botho-Strauß-Premiere «Nach der Liebe beginnt ihre Geschichte» brachte der Zürcher «Tagesanzeiger», von seinen Lesern liebevoll «Tagi» genannt, auf seiner Savoir-vivre-Seite drei Beispiele für «Liebe und Arbeit in Personalunion». Vorgestellt wurden ein «Kunst-Paar», ein «Design-Paar» und ein «Gastro-Paar», jeweils seit 15, elf und acht...
