Jedes Autokennzeichen ein Hakenkreuz
Kann man den Holocaust darstellen? Muss man es nicht sogar, wenn fast alle Zeitzeugen verstorben sind? Vielleicht auch, um Filmen wie «Schind -lers Liste» von Steven Spielberg nicht das Narrativ zu überlassen? Der steckte übrigens in der Postproduktion von «Jurassic Parc», als er seinen Hollywood-Blockbuster über den Holocaust drehte. Darüber plaudert das Filmteam auf der Bühne und bezweifelt damit indirekt, dass sich Spielberg überhaupt ernsthaft mit dem Holocaust beschäftigte.
Die Vorlage für das Stück «Der Bus nach Dachau» des niederländischen Kollektivs De Warme Winkel ist ein echtes Drehbuch vom Vater des Regisseurs Ward Weemhoff. Nie realisiert, erzählt es die wahre Geschichte von niederländischen Überlebenden des KZ Dachau, die 1945 selbst ihre Heimfahrt organisieren muss -ten, von der Polizei befragt, in Quarantäne gesteckt, alleingelassen von ihrer Regierung.
Viele Ebenen treffen an diesem Abend zusammen, verwirren sich manchmal gegenseitig: das gescheiterte Filmprojekt von Weemhoffs Vater in den 1990ern, die der Gegenwart, die der 1940er Jahre. Zugleich befragt der Abend die Darstellbarkeit des Holocausts und rechnet mit deutscher Erinnerungskultur ab – um zugleich des ...
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Theater heute Februar 2023
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Dorothea Marcus
I. SONNE, LOS JETZT!
Was ist das, was da durch den Raum jagt, das bin doch nicht ich! Schauen wir mal nach, darunter kräuselt sich die Flut, Berge gibt es auch, ja, alles unter mir, ich bin es. Die Sonne tönt nach alter Weise in Brudersphären Wettgesang. Die Reise ist mir vorgeschrieben, obwohl ich an meiner Wanderung nicht schuld bin. Ich bin ein fixer Stern,...
Es ist zu spät», singen die sieben Schauspieler:innen in vollendetem chorischen Wohllaut gleich zu Beginn von «Sonne, los jetzt!», wenn sich der rote Vorhang hinter ihnen schließt. Üblicherweise öffnen sich rote Vorhänge zu Vorstellungsbeginn, in Zürich geht dagegen zunächst abrupt das Licht aus; erst nach Minuten der Dunkelheit erglüht dann doch eine riesige, bald...
Die Seele ist verletzbar. Das habe ich erfahren», gesteht die Schauspielerin dem Publikum, das über die Raumbühne verteilt auf Stühlen sitzt. «Stellen Sie sich vor, Sie haben keine einzige Schublade, in die Sie Ihre Notizen legen können. Jeder Raum ist vom Geheimdienst vermessen, jedes Wort kann mitgeschnitten werden. Jede intime Handlung wird belauscht.»
Im...
