Jeder kann ein Tisch werden
Kurz bevor in Frankreich der König von Gottes Gnaden gestürzt, die Menschenrechte erklärt, der contrat social geschlossen und die Nation unter dem Banner der Vernunft optimistisch einer fortschrittlichen Zukunft entgegenstrebte, inszenierte ein gutaussehender junger Soldat aus altprovençalischem Adel, der Marquis Donatien Alphonse François de Sade, einige Aufsehen erregende Experimente, darunter die sogenannte Bonbonaffaire: Gemeinsam mit seinem Diener heuerte de Sade zwei Prostituierte an, die er mit Hilfe aphrodisierender Pastillen, die sich als regelrechte K.O.
-Tropfen entpuppten, zu Gruppensex und Analverkehr zwang. Zuvor hatten ihn schon andere Huren verklagt, weil er sie misshandelt oder zu «gotteslästerlichen» Praktiken genötigt hatte.
Ein weiteres Experiment, «Die 120 Tage von Sodom», verfasste der Marquis dann schon im stillen Kämmerlein des Gefängnisses zu Vincennes, wo er von 1777 bis zur Revolution auf Betreiben seiner adligen Schwiegermutter einsaß (die Huren konnten ihm nichts anhaben). Das Buch schildert, wie ein Herzog, ein Bischof, ein Richter und ein Steuerpächter mit ihren Töchtern und diversen weiteren Sexsklavinnen und -Sklaven rituelle Orgien feiern, die ...
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Theater heute April 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Eva Behrendt
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