Ingolstadt: Plädoyer für Hellhörigkeit

Volker Schmidt «djihad» (U)

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Einen ernüchternden Blick auf das Frauenbild des Islam wagte das Ingolstädter Theater gerade mit «In meinem Alter rauche ich immer noch heimlich» der algerischen Autorin Rayhana, jetzt wurde das Auftragswerk «djihad» von Volker Schmidt uraufgeführt. «Fragmente» nennt der Autor und Regisseur seine lockere Szenenfolge, die sich zu einem Ganzen formt, um freilich am Ende auch nicht wirklich beantworten zu können, was einen jungen Menschen in die Arme und Armeen radikaler islamistischer Gruppierungen treibt.


Das Stück, hervorgegangen aus Gesprächen mit zahlreichen Betroffenen, lebt von der spannenden Konfrontation der Kulturen: Junge Menschen aus Deutschland, Syrien, der Türkei treffen mit ihren unterschiedlichen Auffassungen, ihrer religiösen Erziehung und ihrem Drang, in eine Freiheit – wo immer die liegen mag – aufzubrechen und anerzogenen Ballast loszuwerden, aufeinander. Die Arroganz des Westens, der damit lockt, alles im Hier und Jetzt erreichen zu können, konkurriert mit den Geheimnissen eines Glaubens, dessen Attraktivität auf Versprechungen fußt, deren Einlösung ins Jenseits verschoben wird. Volker Schmidt erzählt von zwischenmenschlichen Problemen, die die unscheinbare ...

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Theater heute April 2017
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Bernd Noack

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