Kütt et, wie et kütt?

Lutz Hübners und Sarah Nemitz’ neues Stück «Willkommen», uraufgeführt von Sönke Wortmann, und Kleists «Michael Kohlhaas», inszeniert von Matthias Hartmann, im Central des Düsseldorfer Schauspielhauses.

Theater heute - Logo

Wilfried Schulz macht in der ersten Spielzeit seiner Düsseldorfer Intendanz deutlich, dass er die Diaspora-Situation des auf Ausweichspielstätten vertriebenen Schauspiels, die sich nun wohl über Jahre (mindestens bis 2020) hinziehen wird, nutzen will zur offensiven Verankerung in der Stadt. Alles will er – alle Stile, alle Publikumsschichten, alle Richtungen, alle Orte. Aber auch alles mit einer der Stadt angemessenen Noblesse und Unverbindlichkeit. So auch in den beiden jüngsten Projekten. Flüchtlingsintegration und Elitenkritik – zwei brisante Themen, elegant verpackt.

Die Bühne denkt nicht vor, der Zuschauer denkt nach – wenn er denn will.

Ein bewährtes Muster: Man nehme eine sozial und charakterlich genügend differenzierte Gruppe aus der theaterbesuchenden Mittelschicht, einen im Bewusstsein dieser Schicht mehr oder minder deutlich vorhandenen sozialen Konflikt, einen Eindringling, der den latenten Konflikt zur Entfaltung bringt, und eine Lösung, die zwar einen gewissen Schlusseffekt erreicht, aber das Problem letztlich ungelöst lässt. Die Dialoge erhalten Schärfe und Humor durch entlarvende Zuspitzungen, die aus dem Alltag wiedererkannte oder eigene Haltungen in eine belastbare ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2017
Rubrik: , Seite 19
von Gerhard Preußer

Weitere Beiträge
Ecce homo

Hans Fallada wusste, was er tat, als er 1934 seinen Roman «Wer einmal aus dem Blechnapf frisst» schrieb: Sechs Jahre vorher war er selbst aus dem Gefängnis entlassen worden, nach zweieinhalb Jahren Haft wegen Betrug und Unterschlagung. Sein Alter Ego Willi Kufalt lässt er fünf Jahre einsitzen und (anders als Fallada selbst, der zum Bestseller-Autor wurde, bevor er...

Fragen nach dem Grund

Was bewegt Zuschauer, die sich für Aufführungen wie «Sieben gegen Theben/Antigone» in Frankfurts Bockenheimer Depot, inszeniert von Ulrich Rasche, begeistern? Nach sorgfältiger Recherche im Publikum und ernsthafter Gewissensprüfung des Autors ist die Antwort folgende: Es ist zunächst die offensichtliche for­male Geschlossenheit und Strenge der...

Nah bei den Dämonen

Einer der berühmten klugen Sätze in Arthur Schnitzlers «Anatol» heißt: «Es gibt so viele Krankheiten und nur eine Gesundheit. Man muß immer genauso gesund wie die andern, man kann aber ganz anders krank sein wie jeder andere!» Mit den kleinen Dramen-Szenen über das Unheimliche des Lebens gelang dem jungen Patrick Schlösser im Jahr 2000 an Anna Badoras Düsseldorfer...