In Stöckelschuhen über Leichen
Als es im syrischen Krieg noch Hoffnung gab, machte ein Video-Appell an Diktator Bashir al-Assads schöne junge Frau Asma die Runde: «Wenn deine Kinder fragen, was du getan hast, um das Blutvergießen zu stoppen, was wird deine Antwort sein?», fragten darin die Ehefrauen zweier Diplomaten und sammelten Unterschriften von zig-tausenden Kriegsgegnern. Asma al-Assads «Reaktion»: Sie bestellte die neue Kollektion exquisiter High Heels von Louboutin.
Zynische Anekdoten wie diese mögen Theresia Walser auf ihr jüngstes Stück «Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel» (ein Gaddafi-Zitat) gebracht haben. Drei Diktatorengattinnen und ihr parasitärer Ruhm mitsamt den grotesken Deformationen der Macht bilden das Tableau für eine Komödie, bei der Walsers eigenwilliger Sprachwitz die skurrile Munition liefert. Schon 2006 hatte die Autorin eine ähnliche Versuchsanordnung gewählt, um die mediale Banalität des Bösen vorzuführen: «Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm» zeigte den Hahnenkampf dreier Schauspieler um die Frage, wer von ihnen den besseren Hitler/Goebbels gegeben hat. Nun, in Walsers fünftem Auftragswerk fürs Mannheimer Nationaltheater, führen drei ehemalige First Ladys einen monströsen Diven-Krieg ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2013
Rubrik: Nationaltheater Mannheim, Seite 50
von Barbara Behrendt
Es ist wie ein Besuch in einer basisdemokratisch geführten politischen Wohngemeinschaft: Eigentlich wollte man zwei Leute aus der WG zu einer Party einladen. Ganz naiv, ohne sich etwas dabei zu denken. Und nun, am Gemeinschaftsküchentisch sitzend, stellt sich doch ein schlechtes Gewissen ein: Warum hat man nicht gleich alle eingeladen? Warum spaltet man die...
Bei allen Krisen, die das Hamburger Schauspielhaus regelmäßig (und derzeit besonders intensiv) durchmachen muss, kann man sich doch auf eines verlassen: Egal, wie schlimm es zugeht, die Verschränkung des größten deutschen Sprechtheaters mit dem hanseatischen Popkultur-Untergrund funktioniert zuverlässig. Entsprechend scheint die Dramatisierung von Tino Hanekamps...
Wolfram Lotz will das Unmögliche: Er will nicht sterben, er will aufgehoben sein in der Welt, er will die Welt mit der Sprache erfassen. Weil er das alles will, will er auch ein unmögliches Theater. Lotz' Strategie der formalen Überforderung des Theaters ist die Konsequenz seiner inhaltlichen Überforderung, nicht umgekehrt. Die formale Überforderung kommt daher als...
