Das Glück ist in Bewegung
Sind sie nicht süß, die lieben Kleinen? Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt, wusste Schiller – und Johan Simons hält sich daran. Für Sarah Kanes «Gesäubert» stehen acht ausgewachsene Spielkinder auf der Bühne, die sich ein ganz besonders nettes Spiel ausgedacht haben. Immer wenn es um Liebe geht, muss ein Finger, Hand, Arm, Bein dran glauben. Spielmacher Tinker hat sich dazu eine lieb wuschelige Pumuckl-Perücke aufgesetzt, und auf Annette Paulmanns Gesicht leuchten die Sommersprossen.
Fünf Stücke und ein Drehbuch kurz ist das Werk von Sarah Kane, die sich 1999 mit 28 Jahren das Leben genommen hat. Nach kurzer, steiler Karriere waren ihre Stücke bald darauf so gut wie vergessen, bis die Münchner Kammerspiele drei von ihnen machtvoll zurück auf die Theater-Tagesordnung gesetzt haben. «Gesäubert» als eine scheinvernünftige Versuchsanordnung, die zeigt, was geschieht, wenn man Gefühle unter Strafe stellt, danach «Gier» als kühl-rationales Register der erlittenen Lebenswunden, und schließlich «4.48 Psychose»: Thomas Schmauser und Sandra Hüller zelebrieren den Text als romantisches Wortkonzert zu den Klängen eines Kammerorchesters mit der Folgerichtigkeit einer Bachfuge. Da ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2012
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 20
von Franz Wille
Er habe das Stück 2004 «unter dem Eindruck der Folter-Fotos aus Abu Ghraib» geschrieben, erklärt Bruce Norris im Programmheft und wirft die Frage auf, warum er seine zwischen allen Genres lavierende sozialkritische Imperialismuskomödie dann ausgerechnet in Afrika spielen lässt. Die als Weltpolizei gebrandmarkte Supermacht gehört dort ausnahmsweise mal nicht zu den...
Fünf Kritikerinnen und Kritiker bilden das Auswahlgremium der Mülheimer Theatertage. Einer davon fungiert als «Sprecher». Ihm kommt unter anderem die ehrenvolle Aufgabe zu, sich auf der Pressekonferenz zur Auswahl den Fragen der Kollegen zu stellen. Wobei Fragen fast schon zu viel gesagt ist. In der Hauptsache handelt es sich um eine einzige Frage, und der...
Die drei Männer mit dem Dauergrinsen verbreiten schon in der dreißigsten Minute bräsige Behäbigkeit und inkontinente Ironie, als sich dann doch etwas tut. Man hatte alle Zeit der Welt. Sportliche Provokation von Zuschauergeduld und latentes Versprechen eines herausgezögerten Vorhabens hielten sich zwar in einigen guten Momenten die Waage, aber meist wurde jeder...
