Aus aktuellem Anlass
So ist das also mit der AfD in den besserverdienenden Kreisen: Man ist ein erfolgreicher, wenn auch zwielichtiger Rechtsanwalt, der schon als Jugendlicher keine Ausländer mochte, weil sich der gefühlskalte Vater nach dem Tod der Mutter eine Thailänderin ins Haus geholt hat. Später fühlt man sich dann in der coolen Kanzlei zurückgesetzt, weil eine Frau und zwei postmigrantische Kollegen an einem vorbei Karriere machen.
Dann wird die andere Kollegin geheiratet, sich selbstständig gemacht und mit der Gattin nach etlichen traurigen Fehlgeburten ein Sohn gezeugt, der nun als 15-Jähriger ein arroganter, verzogener Schnösel geworden ist. Die Mutter wiederum, die Anwaltsgattin, wirft auf dem Kudamm das Geld mit beiden Händen in Designerstores, tafelt beim Edelitaliener, kokettiert ausführlich mit dem Kellner, betrügt ihren Mann, behauptet ihr Lebensglück in Mutterschaft und Familie, lobt die Heimat und zückt gegen vermeintliche weibliche Konkurrentinnen alle verbalen Messer. Was für eine nette, ungewöhnliche Familie. Woher man das so genau weiß in Maja Zades «spinne»? So viel und noch ein bisschen mehr erzählt Julia in ihrem Bericht vom gestrigen Abend, als die einsame Mittvierzigerin ...
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Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Franz Wille
Wie das Innere eines Gurkenglases schimmern die Bühnenwände: trübe, grün, irgendwie geheimnisvoll. Doch natürlich nur, wenn Licht auf sie fällt. Normalerweise steht das saure Gemüse in Reihen in dunklen Kellerregalen. Und so stehen auch die fünf Schauspieler als abstrakte Einlegeware in beige-braunen Jumpsuits (Bühne und Kostüme Heike Mondschein) nebeneinander...
Ein irre lautes, explosionsartiges Wellen-Donnern, ein greller Blitz, der die Netzhaut flackern lässt: Die britische Singer-Songwriterin Anna Calvi entfesselt schon in ihrer Ouvertüre zu Robert Wilsons «Moby Dick» ein musikalisches Live-Inferno erster Güte. Während nichts als die gigantische Projektion eines aus grauen Wellen hervorschießenden Wals die Finsternis...
Theater heute Der Haushaltsentwurf des Bundes für 2025 sieht schlimme Einschnitte für die Freie Szene an zwei gravierenden Stellen vor. Einerseits soll der Fonds Darstellende Künste gekürzt werden von 10,3 Millionen Euro 2024 auf fast die Hälfte in 2025, nämlich nur 5,6 Millionen Euro. Dieser Fonds ist einer der großen und wichtigen überregiona -len Player in der...
