Fortschreitende Abstraktion
Also! Wir gehen? – Gehen wir!» Sie gehen nicht von der Stelle. So endet Samuel Becketts «Warten auf Godot». Sie sind doch gegangen in Bochum, in Ulrich Rasches Inszenierung, und wie! Fast vier Stunden lang schleichen Vladimir und Estragon auf den unmerklich die Richtung wechselnden Drehscheiben dahin. Ja, sie kommen nicht von der Stelle. Und dass sie dennoch gehen, verschärft nur den Stillstand. Vier Stunden bewegende Lähmung. Auf der Bühne bewegen sich Körper im Kreis, im Zuschauerraum Gedanken im Kopf.
«Nichts zu machen.» So beginnt «Warten auf Godot».
Eigentlich resigniert Estragon bei dem Versuch, seinen Schuh auszuziehen. In Bochum spielt sein Schuh keine Rolle. Die Resignation ist gegenstandslos, leer und universal. Rasches völlig requisitenlose Inszenierung verschärft durch Reduktion.
Wo man nichts erreichen kann, soll man nichts wollen, war das ethische Axiom von Becketts Lieblingsphilosophen Arnold Geulincx. Aber es genügt nicht, nichts zu wollen, wo man nichts wert ist, stellt schon der Held «Murphy» in Becketts erstem Roman fest. Und also müssen Vladimir und Estragon irgendetwas wollen, gehen, reden und gehen und gehen. In grauen Anzügen, in der immer gleichen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Gerhard Preußer
Asphaltierte Wege führen durchs gepflegte Gras, schlängeln sich unter Laubbäumen hindurch und an der Oker entlang. Wenige Jogger:innen und einige Blässgänse sind unterwegs, genauso wie bemannte Kinderwagen, ambitionierte Inline-Skater:innen und eine Handvoll Jugendlicher inklusive wummernder Partybox. Der hügelige «Theaterpark» liegt im Osten der Stadt und war...
Dieses Grandhotel hat schon bessere Tage gesehen. Ohnehin erinnert es mit Schwingtüren und Holzvertäfelung eher an einen Westernsalon als an ein Hotel der gehobenen Art. Aber man muss zugeben: Die Lage ist wirklich einzigartig. Mitten im See gelegen, zu erreichen nur per Boot und über einen geschwungenen Metallleiter-Steg. Aber trotzdem: Irgendetwas ist merkwürdig.
...In meiner kurzen Festrede werde ich überwiegend auf das chilenisch-deutsche Verhältnis in Deinem Festivalprogramm fokussieren, was nicht schmälern soll, dass sich Dein Programm der letzten 30 Jahre liest wie ein «Who is Who» der internationalen Theaterszene. Respekt, wie viele Künstler:innen aus der ganzen Welt Du nach Chile gebracht hast, wie viele chilenische...
