Fortschreitende Abstraktion

Ulrich Rasche inszeniert Becketts «Warten auf Godot» im Schauspielhaus Bochum

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Also! Wir gehen? – Gehen wir!» Sie gehen nicht von der Stelle. So endet Samuel Becketts «Warten auf Godot». Sie sind doch gegangen in Bochum, in Ulrich Rasches Inszenierung, und wie! Fast vier Stunden lang schleichen Vladimir und Estragon auf den unmerklich die Richtung wechselnden Drehscheiben dahin. Ja, sie kommen nicht von der Stelle. Und dass sie dennoch gehen, verschärft nur den Stillstand. Vier Stunden bewegende Lähmung. Auf der Bühne bewegen sich Körper im Kreis, im Zuschauerraum Gedanken im Kopf.

«Nichts zu machen.» So beginnt «Warten auf Godot».

Eigentlich resigniert Estragon bei dem Versuch, seinen Schuh auszuziehen. In Bochum spielt sein Schuh keine Rolle. Die Resignation ist gegenstandslos, leer und universal. Rasches völlig requisitenlose Inszenierung verschärft durch Reduktion.

Wo man nichts erreichen kann, soll man nichts wollen, war das ethische Axiom von Becketts Lieblingsphilosophen Arnold Geulincx. Aber es genügt nicht, nichts zu wollen, wo man nichts wert ist, stellt schon der Held «Murphy» in Becketts erstem Roman fest. Und also müssen Vladimir und Estragon irgendetwas wollen, gehen, reden und gehen und gehen. In grauen Anzügen, in der immer gleichen ...

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Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Gerhard Preußer

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