In der Hölle der Bequemlichkeit
Der Dramatiker Ferdinand Schmalz liebt Humor und bildhafte Spielorte. So wundert es kaum, dass nach dem Butterberg hinter der Molkerei, dem sumpfigen Urgrund eines Einkaufsparadieses und dem Unfallchaos an einer Raststätte in seinem neuen Drama ein überflutetes Thermalbad zum Gesellschaftsbild unserer mittels Wellness und Körperkult weichgespülten Wirklichkeit wird.
Sein provokanter Antiheld in dem Theaterstück «Der thermale Widerstand» ist der Bademeister Hannes, der mit seiner «weißen uniform, gleich einer zweiten haut sich auch eine verantwortung» überzieht und die zahlreichen Bücher in seiner obskuren Bibliothek wirklich gelesen hat: Sassen, Sennet, Sharp und Hans von Dach. Letzterer ist in der Schweiz mit seiner illustrierten Lehrbroschüre «Der totale Widerstand, Kriegsanleitung für Jedermann» bekannt, die 1957 erschienen ist und sich mit dem Widerstandskampf gegen einen eventuellen sowjetischen Einmarsch in die Schweiz befasst. Saskia Sassen dagegen hat mit ihrem Buch «Ausgrenzung: Brutalität und Komplexität in der globalen Wirtschaft» eine scharfe politische Analyse über die wachsende Ungleichheit und Armut des 21. Jahrhunderts vorgelegt. Bademeister Hannes und sein Autor ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 179
von Andrea Koschwitz
... ist in diesem Jahr eine letzte Ehrung: Mit 8 der 43 Stimmen, die dieses Jahr zu vergeben waren, wurde der vor einem Jahr überraschend verstorbene Bert Neumann posthum mit seiner Volksbühnen-Versiegelung, die wie ein Abschied wirkte, zum vierten Mal seit 2001 Bühnenbildner des Jahres. Der lange Abschied der Castorf-Volksbühne, die 2017 Chris Dercon übernehmen...
Oft führt man Gespräche mit Kolleg*nnen und Freunden über die Frage, ob etwas Kunst ist, und wenn ja, darf es das? Selten führt man ein Gespräch mit jemanden wie Thomaspeter Goergen, der Dramaturg und Jurist zugleich ist.
Dieses Gespräch habe ich kürzlich mit ihm geführt, und wir kamen auf folgende Gedanken.
Der Jurist sagt, die Kunst ist frei, und hat...
Das Gorki Theater in Berlin gibt dem Zentrum für politische Schönheit Gelegenheit, auf die Flüchtlingsfrage drastisch hinzuweisen. Die Politik soll dazu bewegt werden, ein Gesetz abzuschaffen, «das eine Schande für dieses Land und Europa darstellt». Vier Tiger waren für zwölf Tage vor dem Theater untergebracht, Menschen sollten sich finden, die bereit wären, sich...
