Im Wohlfühlzauber
Warum nicht einmal etwas leicht machen? Wo ohnehin alles schon schwer genug ist. Ausgerechnet die Münchner Kammerspiele, die sich sonst gern aller kursierender Probleme annehmen, verheißen das, indem sie das Urdrama eines unauflöslichen Konflikts in sogenannte «Leichte Sprache» übertragen lassen, von einer Übersetzerin, die, welch ein Omen, auch noch den schönen Namen Anne Leichtfuß trägt! Sätze, so das einschlägige, 2006 etablierte Regelwerk, sollen kurz sein und möglichst nicht mehr als acht Wörter enthalten. Es gibt nur Hauptsätze.
Fremdwörter und Fachbegriffe werden erklärt. Ein Konzept, das in erster Linie der besseren Verständlichkeit von Gebrauchstexten dient. Behörden lassen ihre Informationen in Leichte Sprache übertragen, um Barrieren abzubauen für Menschen, die nicht gut Deutsch können oder kognitive Einschränkungen haben.
Einen literarischen Text künstlich zu vereinfachen, erscheint dagegen zunächst einmal, wie eine Schneise durch den Urwald zu schlagen – was bleibt da noch übrig!? Andererseits muss man, wo ohnehin übersetzt wird, vielleicht auch nicht zu pietätvoll sein. Herausgekommen ist im Fall von «Anti·gone» (so heißt sie nun, der Übersichtlichkeit halber mit ...
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Theater heute 4 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Silvia Stammen
Auf den ersten Blick ist das Post-Brexit-London noch immer die pulsierende Weltmetropole, die es stets war. Ein Wunder an funktionstüchtigem, im Minutentakt anfahrenden öffentlichem Nahverkehr; die Verkehrswende, von der verstopfte deutsche Städte nur träumen können, längst geschafft. Die versmogte Stadt, in der sich nichts mehr bewegt, ist längst Vergangenheit....
«Hier hat sich Schuld in Schuld verbissen.» Hunnenkönig Etzel (Nahuel Häfliger) ist in seinem schicken Anzug gegen Ende schon beinahe nachsichtig mit seinen barbarischen Neu-Familienmitgliedern, die doch gerade erst seinen Sohn erdolcht haben. Dass Häfliger zugleich den Siegfried in diesen «Nibelungen» spielt, gibt dem Ganzen nur noch mehr Größe. Denn diese liegt...
Gewalt ist doch eine Lösung. Für Hendrik, Tino, Pavel und die anderen. Für die Jugendlichen, die in Stralsund im von Plattenbauten dominierten Stadtteil Knieper West großwerden. In den Überresten der DDR. In den so genannten Nullerjahren. «Nullerjahre», so heißt das Buch, das Hendrik Bolz über sein Aufwachsen geschrieben hat. Ein «Debütroman» wird es manchmal...
