Im Wohlfühlzauber
Warum nicht einmal etwas leicht machen? Wo ohnehin alles schon schwer genug ist. Ausgerechnet die Münchner Kammerspiele, die sich sonst gern aller kursierender Probleme annehmen, verheißen das, indem sie das Urdrama eines unauflöslichen Konflikts in sogenannte «Leichte Sprache» übertragen lassen, von einer Übersetzerin, die, welch ein Omen, auch noch den schönen Namen Anne Leichtfuß trägt! Sätze, so das einschlägige, 2006 etablierte Regelwerk, sollen kurz sein und möglichst nicht mehr als acht Wörter enthalten. Es gibt nur Hauptsätze.
Fremdwörter und Fachbegriffe werden erklärt. Ein Konzept, das in erster Linie der besseren Verständlichkeit von Gebrauchstexten dient. Behörden lassen ihre Informationen in Leichte Sprache übertragen, um Barrieren abzubauen für Menschen, die nicht gut Deutsch können oder kognitive Einschränkungen haben.
Einen literarischen Text künstlich zu vereinfachen, erscheint dagegen zunächst einmal, wie eine Schneise durch den Urwald zu schlagen – was bleibt da noch übrig!? Andererseits muss man, wo ohnehin übersetzt wird, vielleicht auch nicht zu pietätvoll sein. Herausgekommen ist im Fall von «Anti·gone» (so heißt sie nun, der Übersichtlichkeit halber mit ...
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Theater heute 4 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Silvia Stammen
Auf der Bühne stehen schwarze Stühle, auf die sich beim Einlass nach und nach Personen in schicker blaugrüner Abendkleidung setzen, elegant ihre Beine übereinanderschlagen, den Blick ins Publikum gerichtet. Doch über ihren Köpfen tragen sie weiße Stoffmasken, über ihren Körpern weiße Anzüge wie eine zweite Haut: Es ist eine anonyme, gespenstische Versammlung, die...
Gewalt ist doch eine Lösung. Für Hendrik, Tino, Pavel und die anderen. Für die Jugendlichen, die in Stralsund im von Plattenbauten dominierten Stadtteil Knieper West großwerden. In den Überresten der DDR. In den so genannten Nullerjahren. «Nullerjahre», so heißt das Buch, das Hendrik Bolz über sein Aufwachsen geschrieben hat. Ein «Debütroman» wird es manchmal...
Das 1995 im Henschelverlag erschienene Theaterlexikon der DDR würdigt den am 14. Februar dieses Jahres verstorbenen Friedo Solter als überaus vitalen, sinnlich, gestisch und sprecherisch wirkungsvollen Schauspieler und preist seine Regiearbeiten als maßstabsetzend an, «weil er auf lange Zeit einen gültigen Beitrag zur Rezeption des klassischen Erbes geleistet» und...
