Im Wärmezentrum
Vor einem programmatischen Liebesbefehl schreckt man beim Neustart des Schauspiels Hannover doch noch knapp zurück: «Liebe will riskiert werden», heißt das Spielzeitmotto leicht angeschnörkelt, also Liebe ja schon, aber auch ein Wagnis, Gefühle können eben schiefgehen oder unliebsame Reaktionen auslösen. Wir sollen fühlen wollen, natürlich auf eigene Gefahr, aber besser doch lieben als nicht lieben.
Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste im eher nüchternen Hannover, doch wer will schon alleinbleiben, zumal wenn er/sie/them ins Theater geht? Der emotionale Haushalt in spätmodernen Zeiten ist eben hochkomplex. Nichts Neues unter der Sonne, eigentlich.
Allerdings hat sich das alte heteronormative Beziehungsfeld auf repräsentativen Bühnen in den letzten anderthalb Jahrzehnten erfreulich erweitert, nicht zuletzt dank Falk Richter. Sein Stück «Small Town Boy» 2014 im Berliner Gorki Theater hat die Kulturkämpfe um queere Liebe eindrucksvoll thematisiert, nicht zuletzt mit einer legendären zehnminü -tigen Wutrede von Thomas Wodianka gegen reaktionäre Homophobie von Putin bis Erika Steinbach. «The Silence» dann 2023 an der Berliner Schaubühne mit dem daraufhin zum Schauspieler des ...
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Theater heute November 2025
Rubrik: Starts, Seite 39
von Franz Wille
Ursula Gärtner ist eingesprungen. Eigentlich hatte es um ihren Sohn Alex gehen sollen in diesem Stück. Doch nun steht Gärtner selbst auf der Bühne, in Bluejeans und schwarz-rot gemusterter Bluse, und erzählt ihre Geschichte mit großer Präsenz und Selbstverständlichkeit. Dabei schwingt ihre Zweitbesetzung den ganzen Abend mit, doch nicht wie ein Surrogat, sondern:...
Wenn man in den Spielplancomputer die Begriffe «Volkstheater», «Wien», «Nestroy», «Politisches Theater» und «20. Jahrhundert» eingibt, kommt dabei Jura Soyfer (1912–1939) raus. Der linke Wiener Autor, Sohn russischer Juden, schrieb im austrofaschistischen Ständestaat der 1930er Jahre Szenen und Stücke für Kabarettbühnen. Um die Zensur auszutricksen, packte Soyfer...
Auf einmal steht da nach der Pause ein Berg. Ein Berg aus Stühlen, auf den Marin Blülle behände weitere Stühle wirft, die dank Theatertricktechnik alle hängen bleiben. Blülle hat schon im ersten Teil dieses «Mephisto» am Dresdner Staatsschauspiel den kleinen Nazi Hans Miklas gegeben, dem die einen mit Härte und die anderen mit Verständnis beikommen wollen. Doch...
