Ins Netz gegangen
Auf einmal steht da nach der Pause ein Berg. Ein Berg aus Stühlen, auf den Marin Blülle behände weitere Stühle wirft, die dank Theatertricktechnik alle hängen bleiben. Blülle hat schon im ersten Teil dieses «Mephisto» am Dresdner Staatsschauspiel den kleinen Nazi Hans Miklas gegeben, dem die einen mit Härte und die anderen mit Verständnis beikommen wollen. Doch jetzt sind die Nazis am Ziel, und dieser Berg erinnert nicht von ungefähr an die Haufen der Bücherverbrennungen.
Es wird dunkel in Deutschland, doch für den zuvor zaudernden und sich ständig missachtet fühlenden Hendrik Höfgen bricht nun eine große Zeit an.
Nadja Stübiger spielt diesen Höfgen nonchalant, zögernd und wägend mit einer ganz selt -samen unsicheren Eitelkeit. Rampennah zwar, aber doch nie aus der Deckung kommend, immer eine Hintertür offen lassend und gleichzeitig ein geschickter Schmeichler, der seine Chancen zu nutzen weiß. Vor allem die Gier stellt Stübiger heraus: nach Ansehen, nach Ruhm. Das Politische ist allenfalls nützlich, weil es Klarheit schafft, wer wo steht – Höfgen vor allem daneben, auch wenn er das Zentrum sucht. So entzieht sie die Figur dem festen Urteil, betont das Unsichere, während um sie ...
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Theater heute November 2025
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Torben Ibs
Wie ein Schatten begleiten Kulturkämpfe die Moderne, um das Feld zu besetzen, das Aufklärung und demokratische Revolutionen geöffnet haben. Sie dringen in Zonen ein, in denen immer wieder Kontroversen um Konzepte des guten Lebens, demokratische Selbstbestimmung und kollektive Identität aufbrechen. Im 19. Jahrhundert meldet sich der Begriff «Kulturkampf» zunächst in...
Rechts ein Militärbunker, links ein Hochspannungsmast, und dazwischen – spie -gelverkehrt – der angerostete Schriftzug «Europe». Das riesige schwarze waste land, das sich davor in Richtung Rampe auftut, erinnert optisch an verbrannte Erde und beschaffenheitstechnisch an ein Bällebad zur Kinderbespaßung. Das sind sie also, die Reste des großen Vergnügungsparks...
Vor einem programmatischen Liebesbefehl schreckt man beim Neustart des Schauspiels Hannover doch noch knapp zurück: «Liebe will riskiert werden», heißt das Spielzeitmotto leicht angeschnörkelt, also Liebe ja schon, aber auch ein Wagnis, Gefühle können eben schiefgehen oder unliebsame Reaktionen auslösen. Wir sollen fühlen wollen, natürlich auf eigene Gefahr, aber...
