Im Morgengrauen der Saison
Was gibt es Schöneres, als am Vorabend der neuen Saison in den Spielplanheften zu blättern und all die aufwühlenden, inhaltsreifen, gedankenschweren Sätze auf sich wirken zu lassen? So ein Spielplan aus Shakespeare und Schiller, Goethe und Kleist, Horváth und Büchner, Gegenwartsdramatik und Deutscher Erstaufführung will ja nicht nur vor Ensemble und Publikum bestehen, disponibel sein und die löchrigen Etat-Rahmen berücksichtigen, er will ja auch begründet sein: Warum er hier und heute so und nicht anders entschieden und bestimmt wurde.
Warum es gerade dieser und nicht jener Shakespeare sei, warum am großen Plan nur die erhabensten Ideen gewirkt haben.
1976 soll der noch junge Benjamin Henrichs aus diesem Anlass geschrieben haben «Nun lügen sie wieder», jedenfalls hat sich das der nicht mehr ganz so junge Friedrich Schirmer gemerkt. Davon kann heute keine Rede mehr sein. Im Gegenteil: Mit markerschütternder Aufrichtigkeit spricht uns das künstlerische Leitungspersonal an, voll der Fragen, Skrupel, Selbstzweifel, Sinnsuche.
Schirmer, der mit dem Hamburger Schauspielhaus das zumindest nach Plätzen größte deutsche Theater übernimmt, grüßt mit dem «Dialog eines Theaterdirektors mit ...
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