Im Licht der Taschenlampe
Im Londoner Bush Theater tropft’s durchs Dach, und die Bühnenbeleuchtung funktioniert nicht. Statt einfach einen Monat lang die Blaumänner anzuziehen und dicht zu machen, ging man konstruktiv mit der Notlage um: Man rief die Broken Space Season ins Leben.
Jeden Abend konnte man drei wechselnde Kurzdramen in Minimalbeleuchtung sehen, und da man das Bush kennt als Autorentheater, das unter anderem Simon Stephens und Conor McPherson entdeckt hat, ließ sich die Liste der Dramatiker, die einen Text beigesteuert haben, sehen: Simon Stephens, Neil LaBute, Bryony Lavery und jüngere Talente wie Mike Bartlett, Lucy Kirkwood, Nancy Harris, Ben Schiffer, Jack Thorne und Anthony Weigh schrieben jeder ein Stückchen unter einer Stunde.
In Stephens’ Kurzmonolog «Sea Wall» plaudert der Protagonist unter einer Glühbirne vor offenen Fenstern, die den Blick auf’s abendliche Shepherds Bush freigeben, über sein perfektes Leben: eine Frau und eine Tochter, die er über alles liebt, einen nur minimal anstrengenden Schwiegerpapa, mit dem sie regelmäßig ihre Ferien in Frankreich verbringen und dabei philosophisch-theologische Diskussionen führen, die gelegentlichen Probleme mit Fußpilz, das französische ...
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