Im Land von Recht und Gerechtigkeit
Dieses Theater hat nicht die Aufgabe, sich mit der aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Situation auseinanderzusetzen. Dieses Theater ist seinem jüdischen Erbe verpflichtet», erklärt der ältere Herr im Leitungsbüro des Jüdischen Theaters in Warschau freundlich. Dabei ist das antisemitische Graffito auf der grauen Betonwand gegenüber auch durch das Fenster des Direktionszimmers recht deutlich zu erkennen.
Gut zwanzig Jahre ist es her, dass die Autorin dieses Beitrags in Warschau lebte und für die deutsche Redaktion des Polnischen Rundfunks an einem Beitrag über das Jüdische Theater in Polen schrieb. Gerade hatte Henryk Jankowski, klerikaler Rückhalt der antikommunistischen Opposition rund um die Danziger Werft und enger Vertrauter der Solidarnosc-Ikone Lech Walesa, in einer seiner berüchtigten (Hass-)Predigten die Gemeinsamkeiten zwischen Davidstern und Hakenkreuz hervorgehoben, und die Bezeichnung «Jude» drohte zur beliebten Diskreditierungspraxis für unliebsame, (neo-)liberale Politiker zu avancieren. Wie nationalistisch und katholisch-reaktionär die Solidarnosc-Bewegung grundiert war, zeigte sich (zumindest für Außenstehende) erst, als ihre Protagonisten den politischen ...
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Theater heute August/September 2016
Rubrik: Festivals, Seite 46
von Anja Quickert
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