Im Garten der Unlüste

García Lorca «Bernarda Albas Haus»

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An den ungeputzten Fensterscheiben von Bernarda Albas Haus drücken sich die Kerle aus dem Dorf die Nasen platt. Sie gaffen und lugen, geifern und lungern: Die fünf Mädels im Inneren aber bleiben unerreichbare Objekte ihrer eindeutigen Begierden. Irgendwie sind diese Männer immer präsent: in schwarzen Anzügen als Trauergemeinde, mit blankem Oberkörper als andalusische Dreamboys, mit stummem Ausdruck als verpasste Chancen, mit Blei im Schritt als hechelnde Schweinehunde, die der Fremden im Paillettenkleid in den Olivenhain folgen.

Für die Töchter der alten Bernarda aber sind es nur Erscheinungen, Wünsche aus Fleisch und Blut, zum Greifen nah und doch verboten auf lange Jahre hinaus.

Dabei hätten die fünf Jungfrauen in Konstanze Lauterbachs Lorca-Inszenierung am Staatstheater Wiesbaden durchaus die Chance, ihr häusliches Gefängnis immer wieder mal und ziemlich unbemerkt zu verlassen. Denn offener war «Bernarda Albas Haus» wahrscheinlich nie. Andreas Jander hat einen lichten Innenhof gebaut, rechts ein kleiner Schilfteich, der zum Verstecken und Mütchen-Kühlen dient, in der Mitte ein astloser Stamm, der zum Auf-die-Palme-Gehen und Bäume-Ausreißen einlädt, eine Art Sonnensegel versperrt ...

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Theater heute Juni 2006
Rubrik: Chronik, Seite 39
von Bernd Noack

Vergriffen
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