Im Garten der Unlüste
An den ungeputzten Fensterscheiben von Bernarda Albas Haus drücken sich die Kerle aus dem Dorf die Nasen platt. Sie gaffen und lugen, geifern und lungern: Die fünf Mädels im Inneren aber bleiben unerreichbare Objekte ihrer eindeutigen Begierden. Irgendwie sind diese Männer immer präsent: in schwarzen Anzügen als Trauergemeinde, mit blankem Oberkörper als andalusische Dreamboys, mit stummem Ausdruck als verpasste Chancen, mit Blei im Schritt als hechelnde Schweinehunde, die der Fremden im Paillettenkleid in den Olivenhain folgen.
Für die Töchter der alten Bernarda aber sind es nur Erscheinungen, Wünsche aus Fleisch und Blut, zum Greifen nah und doch verboten auf lange Jahre hinaus.
Dabei hätten die fünf Jungfrauen in Konstanze Lauterbachs Lorca-Inszenierung am Staatstheater Wiesbaden durchaus die Chance, ihr häusliches Gefängnis immer wieder mal und ziemlich unbemerkt zu verlassen. Denn offener war «Bernarda Albas Haus» wahrscheinlich nie. Andreas Jander hat einen lichten Innenhof gebaut, rechts ein kleiner Schilfteich, der zum Verstecken und Mütchen-Kühlen dient, in der Mitte ein astloser Stamm, der zum Auf-die-Palme-Gehen und Bäume-Ausreißen einlädt, eine Art Sonnensegel versperrt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Samuel Finzi, der Tänzer, der Clown, der Musiker unter den deutschen Schauspielern. Der Elegante. Der Zauberer. Als Iwanow zeigt er, wie eine Figur auf offener Bühne verschwindet, obwohl sie körperlich anwesend bleibt. «Wie machen Sie das?», fragte Henning Rischbieter ihn nach der Premiere anerkennend, und das ist etwas, worauf der 40-Jährige wirklich stolz ist....
Dumm gelaufen das. Gleich der erste, dem Papa mühsam abgetrotzte Fronteinsatz des jungen Nachwuchsfeldherrn wird zum Reinfall, der unvorsichtige Königssohn gefangengenommen. Als Geisel droht er zum entscheidenden Minuspunkt im taktischen Verhandlungspoker der verfeindeten Mächte zu werden, und von der Schramme, die er dabei abbekommen hat, wird ihm nicht einmal...
TH In diesem Monat beginnt die achte Biennale europäischer Stücke, sechsmal hat sie in Bonn stattgefunden, jetzt zum zweiten Mal in Wiesbaden. Wie ist es denn gelungen, das Festival in ein anderes Bundesland und eine andere Stadt zu transportieren?
Manfred Beilharz Das war in der Tat nicht ganz einfach. Tankred Dorst und ich, wir waren immer der Ansicht, das...
