Im fremden Wasser schwimmen
Jacqueline Bolton Was für eine Herausforderung war es, mit Schauspielern aus unterschiedlichen Theaterkulturen zu arbeiten?
Sebastian Nübling Zum ersten: die Sprache. Wir haben auf Englisch probiert; für mich und für drei oder vier der Schauspieler eine Sprache, die wir durch Popmusik, Filme, Fernsehserien und, vor vielen Jahren, in der Schule gelernt haben.
Da wir in den Proben unsere Einstellungen und Interpretationen von Kunst, Politik und Ökonomie ebenso diskutiert haben wie die ziemlich komplexen Psychen und Beziehungen der Figuren, war die Sprache eine ständige Quelle von Missverständnissen. Manchmal waren die Missverständnisse lustig oder produktiv, manchmal waren sie nur langweilig oder sorgten sogar für Kränkungen. Auf der anderen Seite war das viele Sprechen in einer anderen als meiner Muttersprache auch etwas sehr Gutes und Befriedigendes für mich; es gab mir die Möglichkeit, mich selbst und meine Kultur mit den Augen der anderen zu betrachten.
Die zweite Herausforderung bestand in der Unterschiedlichkeit der Theatertraditionen. Ich war darauf vorbereitet: Im englischen Theater spielen der Text und der Autor die Hauptrolle, und viele britische Regisseure (vielleicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die Stücke des Jahres, Seite 74
von Jacqueline Bolton
Es ist riskant, als Regisseur über Schauspieler zu schreiben, mit denen man gerne weiter arbeiten möchte. Das soll schon zu Trennungen geführt haben. Andererseits ist die Gefahr groß, dass das Geschriebene leicht austauschbar wirkt, so wie jeder noch so persönlich gemeinte Liebesbrief letztlich verwechselbar klingt. Und einem Menschen wie Jana Schulz, der sich in...
In den verrammelten Laden im Erdgeschoss, der schon seit Jahren leer steht, sei endlich einer eingezogen, ein Künstler, behauptet der Nachbar, ein arbeitsloser Schreiner. Er werde ihm beim Renovieren helfen. Der heruntergekommene Laden solle Kunstatelier und Galerieraum werden. Mein Freund, der Maler ist, zuckt, als er diese Wortkombination hört, zusammen, und das...
Wären Erinnerungen wie Herbstlaub, sie würden in einem nur kurzen Feuer verbrennen. Es entstünde viel Rauch, aber übrig bliebe nur ein kleiner Haufen Asche. Die Ereignisse unseres Lebens, vor allem die negativen, relativieren sich rückblickend; (Lebens-)Geschichte verursacht für die Beteiligten viel Rauch, hinterlässt aber ebenfalls nur ein Häufchen Feuerüberreste....
