Im fremden Wasser schwimmen
Jacqueline Bolton Was für eine Herausforderung war es, mit Schauspielern aus unterschiedlichen Theaterkulturen zu arbeiten?
Sebastian Nübling Zum ersten: die Sprache. Wir haben auf Englisch probiert; für mich und für drei oder vier der Schauspieler eine Sprache, die wir durch Popmusik, Filme, Fernsehserien und, vor vielen Jahren, in der Schule gelernt haben.
Da wir in den Proben unsere Einstellungen und Interpretationen von Kunst, Politik und Ökonomie ebenso diskutiert haben wie die ziemlich komplexen Psychen und Beziehungen der Figuren, war die Sprache eine ständige Quelle von Missverständnissen. Manchmal waren die Missverständnisse lustig oder produktiv, manchmal waren sie nur langweilig oder sorgten sogar für Kränkungen. Auf der anderen Seite war das viele Sprechen in einer anderen als meiner Muttersprache auch etwas sehr Gutes und Befriedigendes für mich; es gab mir die Möglichkeit, mich selbst und meine Kultur mit den Augen der anderen zu betrachten.
Die zweite Herausforderung bestand in der Unterschiedlichkeit der Theatertraditionen. Ich war darauf vorbereitet: Im englischen Theater spielen der Text und der Autor die Hauptrolle, und viele britische Regisseure (vielleicht ...
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Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die Stücke des Jahres, Seite 74
von Jacqueline Bolton
Anne Nather ist eine junge Autorin, die keine Angst vor Geschichten hat. Menschen finden sich in plötzlich veränderten Situationen wieder und begegnen sich und ihrer Umwelt unter neuen Vorzeichen. Meist ragen Krankheit, Unfälle oder Tod in ihre Texte hinein, die zu dem Versuch zwingen, sich dem Leben in all seinen Widrigkeiten zu stellen.
«Das Weiß an den Rändern...
Jacqueline Bolton Die Inszenierung Sebastian Nüblings, die im September 2011 in Tallinn zur Uraufführung kam, anschließend in München und im Mai 2012 in London zu sehen war, unterscheidet sich beträchtlich von dem Text, den Sie zur Veröffentlichung autorisiert haben. Was ist der Grund dafür?
Simon Stephens Mein Text war nur der Ausgangspunkt dieser sehr speziellen...
Drei Personen, der Autor des Stückes nennt sie modellhaft A, B und C, wollen «eine ganz normale Geschichte erzählen». Eine Geschichte von A, vom normalen Leben, von normalen Problemen, von Familie, Job und Ich.
Doch ihre Spielanordnung läuft aus dem Ruder. A sieht sich plötzlich aus allen Richtungen angegriffen. Nach zehn Seiten müssen die Spieler erstmals...
