Dokumentarfilm: Sad and silly
«Authentizität?» Sibylle Berg fängt sofort an, verbal zu holpern und zu stolpern. Schwieriges Wort. Schwierige Anforderung. Die sogenannte Echtheit «ist ja Quatsch. Musst dich ja ankleiden, verhalten, rüsten». Authentisch nein, ehrlich ja. Z.B., wenn sie den beiden von ihr als «Doku-Schlampen» titulierten Filmerinnen Wiltrud Baier und Sigrun Köhler (die als «Böller und Brot» ihre Filme drehen) beim barfüßigen Platznehmen auf der eleganten Bank zum Gesprächsauftakt mitteilt, sie würde «eh nur lügen».
Und das vermutlich auch tut, wenn sie etwa von ihrem allerersten Werk erzählt, ein Krimi, mit fünf Jahren, inspiriert von Edgar Allen Poe, «was sonst». Aber Wahrheit und Lüge, Nacktheit und Aufrüstung auseinander zu halten, das bleibt so aussichtslos wie reizvoll beim Anschauen des 90-Minüters.
Der kam überhaupt nur zustande, weil Böller und Brot sich bereit erklärten, ihr Zutritt zu verschaffen zu einem ihrer Traumhäuser, einem Glas-Betonkubus mit Pool von John Lautner über den Hügeln von Los Angeles, im Besitz eines skurrilen weißhaarigen Millionärs im Cowboy-Nieten-Look, der mit der scheue Fragen stellenden Deutschen («How do you clean your windows?») durch sein Prachthaus schlurft ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Barbara Burckhardt
Peter Handke war und ist eine Zumutung für das Theater. Zuerst, in den frühen «Sprechstücken», trieb der Autor es systematisch an seine formalen Grenzen. Seit «Über die Dörfer» (1981) schreibt er dramatische Gedichte, in denen es zwar vergleichsweise konventionelle Dialoge und Figuren gibt, die auf ihre Art aber ähnlich weit weg vom Drama sind wie Elfriede...
Sieben Uraufführungen sind für die Mülheimer Stücke vom 7. bis 26. Mai eingeladen: Yael Ronens «The Situation» (Gorki Theater Berlin) fasst einen zentralen Konflikt der Flüchtlingskrise – die Kultur-, Macht- und Interessenkonstellation im Nahen Osten aus der Perspektive der Betroffenen. Fritz Katers «Buch» (Münchner Kammerspiele/Schauspiel Stuttgart) bilanziert 50...
So ein zeitgenössischer Theaterautor hat es wirklich nicht leicht heutzutage. Da kommt man in eine Stadt, von der man nicht viel kennt außer Bahnhof, Theater und einem mittelschlechten Vertreter-Hotel auf halbem Weg dazwischen, soll ein möglichst zugkräftiges Stück mit intensivem Ortsbezug entwickeln und dabei auch noch schlauer als alle anderen sein. Nämlich...
