Im Auge des Verrats
Eine Frau, ein Mann und ein Auto. Eine Spazierfahrt? Oder eine Fahrstunde? Wie stehen die beiden zueinander? Orte und Begebenheiten am Straßenrand konfrontieren sie mit teils verdrängten Erinnerungen. Die Fahrt führt zunächst durch eine Stadt, an Orte, die sich in den Biografien der beiden mit Bedeutung aufgeladen haben. Schöne und schmerzliche, traumatische und verdrängte. Der erste Weg führt zu einer Grundschule, in die die Frau ging – daneben eine psychiatrische Praxis. Dort versuchte vor langer Zeit ihr Vater, die Schmerzen seiner Vergangenheit zu lindern.
Welche Dämonen verfolgten den Vater?
Im Radio laufen Berichte, Interviews, Musik und fließen mit der Gedankenwelt der beiden Insassen des Autos zusammen, kontrastieren oder beflügeln deren Fantasien. Immer mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Imagination.
Das Auto scheint seine große Zeit hinter sich zu haben: Der Verbrennungsmotor gilt als nicht mehr zeitgemäß, die Entwicklung selbstfahrender Autos stellt das Konzept des Individualverkehrs grundsätzlich in Frage. Das Auto taugt nicht mehr zum Symbol sozialen Prestiges, jedenfalls nicht mehr in dem Maße wie in der zweiten Hälfte ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 171
von Tobias Schuster
Der Begriff Leitkultur ist in meinen Augen kontaminiert, und ich bezweifle, dass er sich rehabilitieren lässt. Nicht nur laut «Wikipedia» führte ihn der Politologe Bassam Tibi 1996 in die deutsche Sprache ein. Er wollte eine europäische Leitkultur als «Quelle einer verbindlichen Werteorientierung» und eines «demokratischen, pluralistischen Interessenausgleichs»...
Roland Schimmelpfennig hat Schule gemacht und eine ganze Generation von Autoren beeinflusst mit seiner ausgeformten Erzähltechnik – in der einfache Identifizierungen und Rollenzuschreibungen ständig unterlaufen werden und die Darsteller aus dem Modus des Erzählens in der dritten Person immer wieder ins szenische Spiel einer ersten Person einsteigen, um dies dann...
«Das Grundgesetz ist verbindlicher und präziser als jeder denkbare Begriff einer Leitkultur. Zugleich deutet sich darin keine Hierarchie der Menschen an, sondern allenfalls der Werte und Handlungen. Vor dem Grundgesetz sind alle gleich, in einer Leitkultur nicht.»
Dies ist ein Kommentar Navid Kermanis zur Debatte über «Leitkultur» aus dem Jahr 2017. Die...
