Hundert Prozent Perspektivwechsel

Borderline-Performances, Lehrstücke und Stadtraumgewinnung auf der ganzen Linie: Kim Noble, Angélica Liddell oder zur Abwechslung serientaugliches Schauspielertheater bei «Theater der Welt» in Mannheim

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Dass dem erotischen Kapital eine Schlüs­selrolle bei der Erwirtschaftung sozialer (und ökonomischer) Rendite zukommt, ist spätestens seit Michel Houellebecq im breiten öffentlichen Bewusstsein angekommen. Während allerdings dessen humane «Elementarteilchen» anno 1998 an ihren marktwertmindernden Altersfalten und -speckröllchen noch in weitgehend analoger Alternativlosigkeit verzweifelten, stehen dem digitalen Zeitgenossen bekanntlich Optimierungsinstrumente zur Verfügung.

Im Online-Flirt kann er – weshalb das Sujet auch für das genuine Fake-Medium Theater zusehends interessant zu werden scheint – vorgaukeln, glätten und veredeln, was das Bildbearbeitungsprogramm hergibt, und so, gepaart mit einer cleveren Begehrensaufschubsteuerung, die Objektlust beim Bildschirm-Gegenüber gezielt maximieren.

Doch was auf den ersten Blick nach einer heutigen Win-Win-Situation aussieht, offenbart auf den zweiten natürlich zutiefst reaktionäre Defizite: Je gelungener das digitale Pimp-up, desto bodenloser der finale analoge Fall – wovon der britische Performer Kim Noble bei «Theater der Welt» in Mannheim das mit Abstand abgrundtiefste Lied zu singen weiß.

Plastische Chirurgie

Mal im roten Kleid, mal im ...

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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Festivals/Aufführungen, Seite 6
von Christine Wahl

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