Requiem auf eine Schlacht
Es verspricht kein besonders lustiger Abend zu werden. Bereits im Durchgang zur Hinterbühne werden die durch Fackeln illuminierten Besucher mit Geschrei und Gewimmer aus Lautsprechern begrüßt. Am Wegesrand backen Frauen Teigfladen, und das Ensemble wird mit Grabsteinen vorgestellt, zwischen denen aber auch die Namen toter Frauen von sozialen Protesten weltweit zu finden sind.
Auf der Hinterbühne ist der eiserne Vorhang mit Plastikfolien verhangen, auf die der Stücktext in drei Sprachen aufgebracht ist, was dezent auf das Besondere dieser Inszenierung von «Die Frauen von Troja» am Theater Altenburg-Gera hinweist.
Denn Regisseur und Schauspieldirektor Bernhard Stengele hat nicht nur eine modern daherkommende Übersetzung durch den Antikenexperten Ulrich Sinn anfertigen lassen, sondern mit dem Euripides-Abend auch eine internationale Koproduktion aus der Taufe gehoben. Unterstützt durch die Kulturstiftung des Bundes kommen auf der thüringischen Bühne Schauspielerinnen und Schauspieler aus der Türkei, Griechenland, Burkina Faso und Deutschland zusammen, um gemeinsam das Elend des Krieges zu beklagen: «Grausam ist der Krieg! Grausam sind seine Folgen!» Das ist das immer wiederkehrende ...
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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Chronik: Altenburg/Gera, Seite 63
von Torben Ibs
Sie tanzt. Gefühlt hundert Mal wird das Bild von Daniela Keckeis auf die Leinwände oberhalb der Bühne projiziert, auf der die Schauspielerin eine 1930er Cabaret-Nummer in ebensolchem Kostüm hinlegt und schließlich ihren Körper in schönster Wuttke-Manier zum Hakenkreuz formt. Unten singt sie dazu als Marianne Hoppe in einem von Silke Bauer installierten Kasten einen...
Anfangsstation: Bahnhof, Ort der Unruhe, des Aufbruchs und Durchgangs. Im Bochumer Schauspielhaus bleibt auf weitgehend leerer Bühnenfläche, über die Raimund Bauer nichts als eine Lichtbrücken-Installation hängt, die Drehscheibe der konkrete und metaphorische Ort des Karl Siebrecht. Der 16-Jährige kommt, mutterseelenallein, aus der Uckermark ins Berlin der späten...
Am reinen Toren Parzival hat Tankred Dorst einen Narren gefressen. Immer wieder hat er sich mit dem mittelalterlichen Anti-Helden beschäftigt, unter anderem in «Merlin» und der Erzählung «Der nackte Mann». 1987 schließlich hat Dorst für eine Robert-Wilson-Inszenierung am Thalia Theater ein «Parzival»-Szenarium geliefert, das «nicht als festgefügtes Stück, sondern...
