Horváths Flügelschlag
Wenn du eine Botschaft hast, dann schreib uns einen Werbeslogan – oder schick uns eine Rockband auf die Bühne. Johan Simons tut beides. Gleich zwei der topmodischen Theatermarotten der Saison präsentiert der manchmal ziemlich unsubtile Großregisseur, demnächst Chef der Münchner Kammerspiele, im Oktoberfeststück «Kasimir und Karoline» in Köln. Der vielgerühmte Volksbühnen-Bühnenbildner Bert Neumann hat ihm dazu ein verschachteltes Baugerüst auf die Bühne gestellt, in dessen erster Etage goldflitterige Großbuchstaben fordern: «Enjoy».
Und fünf von farbigen Neonröhren angestrahlte Musiker unter Leitung von Loy Wesselburg tun den Lounge-Möblierungs-Sound und den Rock’n’Roll.
Das gar nicht mal so kleine Wunder an Simons’ «Kasimir und Karoline» jedoch ist: Das plakative Gedöns gibt einen ganz famosen Sinn. Die Kölner Inszenierung ist ein sozusagen bühnenindustriell gefertigtes Serienprodukt. Simons hat sein Regiekonzept erstmal mit den Darstellern seiner Genter Kompanie (in Neumanns Bühnenbild) für die Festspiele in Avignon und diverse andere Spielorte ausprobiert. Dann hat er in nur drei Wochen Probezeit die Chose mit Kölner Darstellern wiederaufbereitet. Und daraus einen packenden, ...
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