Heul Hitler!
«Tja, das war der Drache.» Noch bevor der Vorhang sich öffnet, resümiert Hebbel persönlich (Wolfgang Rüter) die ruhmreichen Taten seines Helden. Des Dichters lässige Vorrede ist amüsant und befremdlich zugleich: Mit seinen Zwergenkämpfen und Drachenblutbädern wirkt der Nibelungenstoff nicht heroisch, sondern altbacken und unfreiwillig komisch.
Vielleicht ist er im kollektiven Theatergedächtnis der Deutschen ebenso vom Einstauben bedroht wie die zahllosen Trödelfundstücke auf Vytautas Narbutas’ detailverliebter Bühne?
Hinter spärlich verhangenen Kronleuchtern blättern vergilbte Gemälde von den Wänden, alternde Möbelstücke fristen neben ausgestopften Tieren und umgekippten Marmorbüsten ihr Dasein. Ein Skelett dient als Kleiderständer. In den Regalen quetschen sich Totenköpfe, lachende Buddhafigurinen und Gasmasken zwischen Büchern und schlüpfrigen Schwarzweißfotos. In der Mitte des Raums das hölzerne Gerippe einer Dachkuppel. Das Reich des Burgunderkönigs Gunter gleicht der Rumpelkammer eines in die Jahre gekommenen Theaters, dessen letzter Vorhang vor langer Zeit gefallen ist.
In die Abstellkammer verbannt wirken auch der König selbst (Benjamin Grüter) und sein Gefolge: Als ...
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Theater heute März 2014
Rubrik: Chronik: Bonn Theater, Seite 56
von Laura Strack
Das erste literarische Genre, das Rebekka Kricheldorf beherrschte, war das Schmähgedicht. «Es lebte einst, ich weiß nicht wo / ein Mensch, der hieß Gorilla-Joe / Er war nicht schön, er war nicht klug / doch Haare hatte er genug / Die hingen tief ihm ins Gesicht / So sah er nie das Sonnenlicht.» Dieses lyrische Frühwerk beispielsweise entstand Mitte der achtziger...
Anfang dieses Jahres sorgte der erneute Fall einer dubiosen Kunstsammlung für Aufregung in der bundesdeutschen Medienlandschaft. Auch wenn der normale Leser mit dem Haufen Papier, eingebunden in 34 altmodische Foliobände, wenig anzufangen wusste – die Fachwelt in Literaturarchiven, Theatersammlungen und Bibliotheken war bei Nennung des Namens hellhörig geworden:...
Sie ist einfach abgehauen, hat noch nicht mal tschüss gesagt», singen Bambi und Kleister in der «Linie 1», und es gibt kaum einen im GRIPS, der sich nicht fühlt wie die beiden, ratlos, wütend, alleingelassen.
Vor 14 Jahren haben wir Franziska ans GRIPS geholt, mit einem Stück ihrer Wahl, «David und Lisa». Danach inszenierte sie «norway.today», das...
