Herzlich unwillkommen
Guter Wechsel» – mit dieser Ankündigung trat die national-konservative Partei «Recht und Gerechtigkeit», kurz PiS, im Herbst 2015 ihre Regierungszeit in Polen an. Wie sich dieser Wechsel gegenwärtig auf die Theaterlandschaft des Landes auswirkt, kann am deutlichsten am Beispiel des Teatr Polski in Wrocław (Breslau) beobachtet werden. Das Haus war in den letzten Jahren eine der führenden Bühnen Polens.
Im November 2015 sorgte es für Schlagzeilen, weil es sich weigerte, dem Verbot des neuen Kulturministers zu folgen und die Premiere von Elfriede Jelineks «Der Tod und das Mädchen» abzusagen, dem Pornografie unterstellt wurde. Im September 2016 erhielt das Theater nach einer kurzfristig angesetzten Ausschreibung einen neuen Intendanten: Cezary Morawski. Bis heute hören seitdem die Proteste des Ensembles, des Publikums, der polnischen Kulturszene und der europäischen Kunstschaffenden nicht auf.
Verantwortlich für den hastigen Intendantenwechsel sind Behörden der Region Niederschlesien, die keinen Konflikt mit dem neuen Kulturminister Glinski riskieren wollen, da das Theater nur zur Hälfte mit lokalen Mitteln und zur anderen Hälfte vom Ministerium finanziert wird. Der vom Teatr Polski ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Iwona Uberman
Es war wohl der letzte Klassenkampf vor dem unwiderruflichen Sieg des Neoliberalismus, aber er wurde so selbstherrlich beschlossen, dass von vornherein der Wurm drin war: Ohne Urabstimmung führte die britische Gewerkschaft NUM die britischen Bergarbeiter im März 1984 ein Jahr lang in einen zermürbenden Streik, der heute als Wendepunkt in der britischen Geschichte...
Becketts «Enspiel» ist ein solider Oldtimer der Gott-ist-tot-Dramatik: Kein Sinn nirgends unter der Weltzirkuskuppel, nur leerlaufende Rituale, die einen Tag füllen, der jederzeit der letzte sein kann. Zwei höchst allgemeine Menschheitssymbolträger aus Herr (Hamm) und Knecht (Clov) stützen sich in ihren komplementären Behinderungen von Nichtsehen- und...
Gleißend wäre zu viel gesagt, aber ziemlich hell ist sie schon, die Bühne, die Lucas Devriendt für Julie van den Berghe aus schimmernden Plastikplanen gehängt hat. Von Devriendt heißt es im Programmheft, er stelle aus und lasse klassische Themen der Malerei im Heute spielen. Van den Berghe, geboren 1981, in der belgisch-niederländischen Theaterszene ein Begriff,...
