Heimspiel: Expeditionen ins Eingemachte

Mit «Munich Central» setzen die Münchner Kammerspiele die Reihe der Stadtprojekte fort

Theater heute - Logo

Fast ist es schon ein neues Genre, zumindest aber eine Erfolgsstory: das Stadt­projekt. Jedes deutsche Stadttheater, das etwas auf sich hält, machte sich in den letzten Jahren daran, die eigene Kommune und dabei besonders gern den Problem-Kiez unter die Lupe zu nehmen und auf schlummerndes dramatisches Potenzial hin abzuklopfen. Das bringt Bewegung ins Bühnengeschehen, wird politisch gern gesehen, soll Berührungsängste junger Publikumsgruppen überwinden und somit das eigene Überleben sichern helfen.

Die Kulturstiftung des Bundes hat sogar eigens einen Förderfonds namens «Heimspiel» geschaffen, aus dem nicht unbeträchtliche Summen ausgeschüttet werden, um das Image des deutschen Stadttheaters (freie Gruppen sind ausdrücklich von der selbstständigen Antragsstellung ausgeschlossen) von einer sperrigen Bastion der Hochkultur zu einer künstlerisch grundierten Integrationsmaßnahme umzuwerten.

Die Initialzündung dazu kam im Jahr 2004 von den Münchner Kammerspielen, als der Regisseur Peter Kastenmüller und der Dramaturg Björn Bicker unter dem Label «Bunnyhill» das wilde Hasenbergl, eine berühmt-berüchtigte Reißbrettsiedlung aus den 70er Jahren mit hohem Ausländeranteil, zum temporären
Theat ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August / September 2010
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Silvia Stammen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die List des Modernisten

Schnell wird es dunkler auf der Bühne. Der an Schienen hochgezogene weiße Tanzboden, der die Bühne rahmt und in einen White Cube von museumsartigem Zuschnitt verwandelt, verliert seine gleißende Wirkung und wird matt. Tänzer und Tänzerinnen in knöchellangen weiten, schwarzen Musselin­röcken postieren sich vor der Rückwand, als seien sie einem barocken Gemälde von...

Die Ordnung der Dinge

Soeben wurde der Aztekenkönig Montezuma vom hinterhältigen spanischen Eroberertrupp gefangen genommen. Sein tadellos modellierter Oberkörper, dem kein Ertüchtigungsgerät unter dieser Fitness-Sonne fremd sein kann, hat ihm nichts genützt: Der King war schlicht zu gutgläubig für diese Welt. Gastfreundlich hatte er die Kolo­nisatoren empfangen – und wird am Ende von...

Du sollst nicht proben

Über die Grenzen der Stadt hinaus wurde das Wiener Schauspielhaus in den letzten drei Spielzeiten vor allem dank der Stücke von Ewald Palmetshofer wahrgenommen, die hier uraufgeführt wurden. Die beim Wiener Publikum beliebtesten Produktionen von Andreas Becks Intendanz aber waren bisher die Theaterserien. 2008, in Becks erster Spielzeit, wurde Hei­mito von Doderers...