Heimatkunde: Waschkaue, Büdchen, Einweckglas

Adolf Winkelmanns Rothmann-Verfilmung «Junges Licht» von und mit der Familie Beckmann

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Unter Tage. Ein Mann allein im Dunkel. Nur das Grubenlicht am Helm leuchtet. Man hört seinen schweren Atem. Der Presslufthammer bohrt ins Gestein. Bald wird jede Menge Kohle abgesprengt sein.

Schnitt: Ein Junge kramt im Badezimmerschränkchen zwischen Lux-Seife und Echt Kölnisch Wasser. Er trägt eine kurze Lederhose mit Edelweiß-Emblem. Es ist Sommer. Draußen hängt eine Frau mit Schürze Wäsche auf die Leine – nicht fern vom Förderturm. Der Film wechselt von Farbe zu Schwarzweiß, wie wir es etwa von Edgar Reitz’ «Heimat»-Chronik kennen.

Es qualmt aus den Schloten der Kokerei, brennt feuerrot im Stahlwerk, bewölkt den Himmel über Ruhr und Emscher. Die Kumpel fahren hoch von der Schicht. Milch und Kohle – Weiß und Schwarz: Die Milchflasche wird angesetzt, um den Kohlenstaub runterzuspülen.

Distanz und Lakonie

Es ist alles da in dieser ersten Verfilmung eines Romans von Ralf Rothmann, «Junges Licht» aus dem Jahr 2004: die Arbeitersiedlung mit bräunlich-grau verschmutzten Fassaden, Waschkaue, Büdchen, das grüne Unterholz vor der Halde im Hintergrund, Einweckgläser im Keller, die Blechdose für die Stullen. Zu Mittag gibt es einen aufgetauten Block Spinat mit Spiegelei oder Miracoli aus der ...

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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Andreas Wilink

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