Hard facts im Milljöh
Ein schöner Film, ein immer wieder lustiger Film. Ein schneller, wendiger und oft verblüffender Film. Wobei die Geschichte einer arbeitslosen, alleinerziehenden Alkoholikerin und ihrer ebenso bedürftigen, aber weitaus bodenständigeren Freundin, die als ambulante Altenpflegerin jobbt, natürlich nur bedingt komödientauglich ist. Da ist zuviel Echtwelt drin. Aber von deren Miseren wird auf so kunstvoll pointierte Weise erzählt, dass die Straße gewissermaßen zu schweben beginnt. Und fröhlich anzusehen ist das Ganze ohnehin.
Zwei Frauen in einem heruntergekommenen Mietshaus im Berliner Osten, Prenzlauer Berg oder so. Die ohne Arbeit und mit Sohn wohnt ganz unten, eine Zugezogene aus dem westlichsten Westdeutschland (Freiburg), mit abgestürzt künstlerischem Hintergrund (hobbymalende Schaufensterdekorateurin) und kürzlich zerbrochener Ehe. Die mit dem Altenpflegejob war ein Heimkind in der Hauptstadt der DDR und hat sich vorgenommen, es zu schaffen im Leben und mit den Männern. Sie haust in einer piccobello Jungkleinbürgerbude ganz oben und kann abends von ihrem Balkon aus die Sterne sehen – oder, wenn sie aufsteht und nach unten blickt, den Apotheker von schräg gegenüber, der oft ...
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Das Thema im sich erinnernden Kopfe hin und her wendend, ist mir schließlich eingefallen, dass ich mit einem meiner Irrtümer anfangen sollte. 1973 inszenierte Klaus Michael Grüber am (mitbestimmten) Schauspiel Frankfurt Brechts Frühwerk «Im Dickicht der Städte». Auf der großen Bühne hatte Eduardo Arroyo hunderte von Schuhen, ausgelatschten, aufschütten lassen. Am...
Wenn die Klavierschülerin Elfriede Jelinek übte, standen die Fenster der Wohnung weit offen. Draußen war es laut, alle paar Minuten rumpelte die Straßenbahn die abschüssige Laudongasse im achten Bezirk hinunter. Im Haus gegenüber befand sich ein zwielichtiges Café, Männer gingen ein und aus, um per Tischtelefon Damenbekanntschaften zu machen. Ein Ventilator blies...
Ein Schubladendasein brauchen junge Autoren, die heute für die Bühne schreiben, längst nicht mehr zu fürchten. Nach Zeiten stiefmütterlicher Vernachlässigung kann man inzwischen fast schon von einem besonders innigen Verhältnis zwischen dem schreibenden Nachwuchs und den texthungrigen Theaterinstitutionen sprechen. Nicht zuletzt hofft man, mit den Stücken der...
