Für Nachschub ist gesorgt
Ein Schubladendasein brauchen junge Autoren, die heute für die Bühne schreiben, längst nicht mehr zu fürchten. Nach Zeiten stiefmütterlicher Vernachlässigung kann man inzwischen fast schon von einem besonders innigen Verhältnis zwischen dem schreibenden Nachwuchs und den texthungrigen Theaterinstitutionen sprechen. Nicht zuletzt hofft man, mit den Stücken der jungen Generation auch die Interessen und Erwartungen angehender Theatergänger auszukundschaften, denn die sind schließlich das Zukunftskapital der Branche.
Bereits zum dritten Mal haben die Münchner Kammerspiele heuer ihr «Wochenende der jungen Dramatiker» ausgerichtet – wieder mit einem halben Dutzend taufrischer Werke aus der Feder angehender Theaterautoren in kurz probierten Werkstattinszenierungen und wieder mit erfreulicher Resonanz beim vorwiegend jüngeren Publikum. Dass es dabei durchaus auch zu Rückkoppelungseffekten mit dem Desiderat der Dramaturgen nach mehr politischer Relevanz und weniger selbstgenügsamer Nabelschau im Eingemachten privater Befindlichkeiten kommen kann, zeigt sich an der diesjährigen Ausbeute: kein Stück, in dem nicht Terrorismus, Krieg, Arbeitslosigkeit, die europäische Osterweiterung oder ...
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Am Ende steht Teiresias im schwarzen Anzug etwas verloren am hinteren Bühnenrand und guckt auf das Etikett der Rotweinflasche in seiner Hand. Welcher Jahrgang ist das bloß? Pentheus ist zerrissen, Mutter Agaue und Papa Kadmos ins Barbaren-Exil vertrieben, das schöne Theben zerstört, und Dionysos hat den aufgeklärten Hellenen mal wieder gezeigt, wo der Hammer hängt....
Man sagt dem Regisseur Jürgen Gosch eine Schwäche für Süßigkeiten nach. Wer die besten Konditoreien in Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Hannover oder Zürich wissen will, der frage den 62-jährigen Regisseur auf Endlostournee. So raunt man in Zügen und Hinterzimmern. Irgendeine Droge muss der unermüdliche Mann ja haben, warum nicht den Downer aus schön verarbeitetem...
Sein Haus, seine Gäste, seine Frau. Der Mann, Jean Hervey, ist zufrieden. Der Zuschnitt, den er seinem Leben gegeben hat, ist auf korrekte Weise luxuriös. Von einem wohlhabenden Erwerbsbürger dieser Jahre um 1900 erwartet man nichts anderes. Und das wärmt sein konformitätsbedürftiges Herz, was wiederum die stärkste Emotion sein dürfte, derer er fähig ist.
Mit...
