Happy Hölle
Stalins Russland – Putins Russland, die Ähnlichkeiten zeigen Grundstrukturen der russischen Gesellschaft: Bürokratie, Despotismus, Korruption. Sebastian Baumgartens Inszenierung von Bulgakows «Der Meister und Margarita» zeigt vor allem Parallelen. Der satirische Roman aus der Stalin-Zeit wird mit allen Mitteln der dekonstruktivistischen Theaterästhetik auf die russische Gegenwart bezogen: ein Schauspieler reproduziert eine originale Stalin-Rede von 1913, und von den Bildschirmen flimmert das Nachrichtenvideo von der Verhaftung des Oligarchen Chodorowski.
Wer über die kultivierte Vorurteilsbildung hinaus will, muss aber auch die Unterschiede sehen.
Sebastian Baumgarten reichert seine Inszenierungen meistens mit Assoziationsmaterial bis zum Bersten an. Diesmal hat er sich einen Roman gewählt, der schon vor Fantastik überquillt. So bleibt ihm nichts anderes übrig als zu reduzieren. Statt semantischer Hypertrophie also diesmal narrative Ökonomie: Im Programmheft werden schön sauber die Stationen der verwirrenden Handlung aufgelistet, und in gut zwei Stunden ist alles vorbei.
Das Bühnenbild Thilo Reuthers versucht, Bulgakows mehrschichtiger Erzählweise Paroli zu bieten. Im Hintergrund ...
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Wie soll man ein halbes Jahr nach Jürgen Goschs schwer zu übertreffenden, tieftraurigen, elend komischen, gnadenlos genauen «Onkel Wanja» am Deutschen Theater in Berlin dieses Stück inszenieren? Vielleicht so, wie Andreas Kriegenburg es in Hamburg tut: als ein schwebendes, trübsalfreies Clownsspiel liebevoll beobachteter Menschlein, die tapfer anspielen gegen die...
In der «Süddeutschen Zeitung» hat Peter Laudenbach gejubelt: In der «maroden» Volksbühne bekäme man, «was man in diesem grauen Bunker zu allerletzt erwartet hätte: eine Inszenierung, die in ihrer großen Leichtigkeit ziemlich gute Laune macht». Und weiter: «Der Plot ist simpel: Vater Ubu, ein vulgärer Dummkopf, ermordet den König von Polen, um selber König zu werden...
Kurz vor der Premiere muss Richard III. doch noch überstürzt zum Friseur gelaufen sein. Auf den Probenfotos im Programmheft trägt er noch Seitenscheitel zum halblang glatten Haar – wie ein pummeliger Oscar Wilde, der zu lange in den Spiegel geschaut hat. Zum Burgtheater-Rosenkriegsfest erschien er dann allerdings mit kurzem, wildem Stoppelschnitt. So sehen...
