Haltungsbildende Maßnahmen
Esther Boldt Martine Dennewald, Sie haben zuletzt als Dramaturgin und in der Interimsleitung des Mousonturms gearbeitet; zuvor waren Sie Schauspielreferentin bei den Salzburger Festspielen. Was bringen Sie aus Salzburg und Frankfurt mit zum Festival Theaterformen?
Martine Dennewald Mein Adressbuch. (lacht) Ich weiß, was für eine Verantwortung ich trage, das bringe ich vom Mousonturm mit, für die Künstler und für eine Szene, dafür, wie Dinge auf lange Sicht wahrgenommen werden.
Mein Kollege Marcus Droß ist da eine wichtige Referenz: sein Nachdenken über künstlerische Konzepte, und wie er aus Schwierigkeiten aller Art etwas Produktives machen kann. Nach Niels Ewerbecks Suizid waren wir sehr aufeinander zurückgeworfen. Salzburg war meine Lehrzeit und eine Feuertaufe. Nach Salzburg macht einem vieles andere nicht mehr so viel Angst, nicht zuletzt, weil es ein sehr langes Festival ist. Und meine Zusammenarbeit mit Thomas Oberender hat mich sehr geprägt, vor allem sein Umgang mit den Künstlern, die Ernsthaftigkeit, mit der er über sie nachdenkt, mit ihnen spricht, ihnen vertraut, wie er sich für sie engagiert. Im Grunde finde ich es ideal, abwechselnd an einem (ko-)produzierenden Haus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2015
Rubrik: Das Gespräch, Seite 50
von Esther Boldt
TH Bei der letzten Sitzung der Theatertreffen-Jury kommt die Wahrheit auf den Tisch. Große Dramen, ästhetische Treueschwüre, umkämpfte Seitenwechsel, knappe Entscheidungen. Wie war es in diesem Jahr? Wie viele Stunden wurde gerungen?
Peter Laudenbach Die letzte Sitzung war erschreckend harmonisch.
Stephan Reuter Wir haben uns fast nicht gestritten.
Laudenbach Obwoh...
Tanz auf dem Minenfeld
She She Pops «Frühlingsopfer»
Seit ein paar Jahren ist es keine Sensation mehr, dass sich unter den zehn auserwählten Theatertreffen-Inszenierungen ein oder zwei in der Freien Szene wurzelnde Produktionen finden. Dieses Jahr allerdings wurde nur das post-marthalerische Theater des bis vor kurzem noch frei produzierenden Regisseurs Thom Luz...
Claus Peymann, Chef des Berliner Ensembles und zuverlässiger Hauptstadt-Entertainer, analysierte vor ein paar Jahren in einem Zeitungsinterview sehr unterhaltsam die deutschsprachige Gegenwartsdramatik: «Die reine Flucht ins Private!», stöhnte der 77-Jährige weitgehend datenungestützt auf, um anschließend messerscharf zu konkretisieren: «Es ist immer das Problem,...
