Hallelujah!

47 Kritikerinnen und Kritiker nennen Höhepunkte der Saison 2024/25

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Oper? Schauspiel? Performance? Spektaktel? – Egal! Die Inszenierung des Jahres heißt – «Sancta»! Florentina Holzingers queerfeministische Aneignung einer katholischen Messe im Rahmen von Paul Hindemiths Kurzoper «Sancta Susanna»
– u.a. koproduziert von den Opernhäusern in Schwerin und Stuttgart – feiern 9 Theaterkritiker:innen. Auch wenn das Publikum insbesondere in Stuttgart mit Ohnmachten zu kämpfen hatte, begeisterte das Gesamtkunstwerk über alle Genregrenzen hinaus.

Auf Platz 2 folgt Ulrich Rasches bestechende Neu-Lektüre von Becketts «Warten auf Godot» am Schauspielhaus Bochum mit 3 Nennungen.

Von «Sancta» leiten sich weitere Erfolgsmeldungen ab. Nikola Kneževic hat mit Kletterwand, Halfpipe, Neonkruzifix, Roboter und Weihrauchfass das Bühnenbild des Jahres entworfen (5 Stimmen); dicht gefolgt von Monika Pormale (4 Voten), die in die drei Generationen übergreifenden Innenräume für Kornel Mundruczos «Parallax» einen spektakulären Überflutungsmechanismus eingebaut hat. 6 Kritiker:innen kürten zudem die achtköpfige Team-Dramaturgie von «Sancta» – Felix Ritter, Fernando Belfiore, Judith Lebiez, Michele Rizzo, Miron Hakenbeck, Philipp Amelungsen, Renée Copraij, Sara Ostertag – zur «Dramaturgie des Jahres»; mit 3 Stimmen folgen Johanna Höhmann, Theresa Schlesinger und der im Mai gestorbene Carl Hegemann für die Dramaturgie bei Jette Steckels «Mephisto»-Inszenierung an den Münchner Kammerspielen. Die Schauspielerin des Jahres heißt Julia Riedler. Als Arthur Schnitzlers sexualisierter Gewalt ausgesetztes Fräulein Else knüpft sie in Co-Regie mit Leonie Böhm am Wiener Volkstheater auf der Suche nach moralischer Unterstützung kunstvolle Verbindungen ins Publikum: 7 Kritiker:innen schenkten ihr dafür ihre Stimmen. Jeweils 3 Voten erhielten die Zweitplatzierten Artemis Chalkidou als Mia Pinneberg in Frank Castorfs Fallada-Inszenierung «Kleiner Mann, was nun?» am Berliner Ensemble – und Stefanie Reinsperger für drei verschiedene Rollen ebendort und am Burgtheater.

Geteilte Ehren bei den Schauspielern des Jahres. Mit je 3 Stimmen gehen Thomas Schmauser (als Hendrik Höfgen in «Mephisto»), Andreas Döhler (als Jachmann in «Kleiner Mann – was nun?») und Moritz Kienemann als Kriegsveteran Hinkemann in Ernst Tollers gleichnamigem Drama am Deutschen Theater Berlin gleichauf ins Ziel.

Das Video des Jahres hat mit 7 Voten das Duo DARUM für ihre VR-Performance «[EOL]. End of Life» am Wiener brut programmiert (weitere 3 Stimmen versammeln Victoria Halper und Kai Krösche in den Kategorien Bühne und Dramaturgie). Auch die farbenfrohen Knetwurst-Animationen von Mehmet&Kazim für Emre Akals Fassbinder-Adaption «Katzelmacher» an den Münchner Kammerspielen wurden mit 4 Voten belohnt. Gleichstand wiederum mit je 3 Stimmen bei den Kostümen des Jahres von Lara Roßwag («Katzelmacher», «Animal Farm») und Teresa Vergho («Double Serpent», «Die Abweichlerin»).

Die Zahl 3 dominiert auch in der Nachwuchskategorie: Kurdwin Ayub («Weiße Witwe») und Arad Dabiri («DRUCK!») sind mit je 3 Stimmen Nachwuchsautor:innenKurdwin AyubLeonie Rebentisch («Gittersee») und Anna Stiepani («Staubfrau») mit je 3 Stimmen Nachwuchsregisseur:innen; der bereits erwähnte Moritz Kienemann und Timur Frey («Double Serpent») mit je 3 Stimmen außerdem Nachwuchsschauspieler des Jahres.

Mit klaren 8 Nennungen ist Dea Lohers Einsamkeitsreigen «Frau Yamamoto ist noch da» das Stück des Jahres, uraufgeführt am Schauspielhaus Zürich; ebenso wie das zweitplatzierte Drama «Staubfrau» von Maria Milisavljevics mit 3 Stimmen.

Überraschung: Zum Theater des Jahres ist mit 6 Nennungen das Theater Magdeburg gewählt; mit Jan Friedrichs «Blutbuch»-Inszenierung auch zum ersten Mal zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Die Berliner Volksbühne und das neu gestartete Staatstheater Wiesbaden teilen sich mit je 4 Voten den zweiten Platz.

Herzlichen Glückwunsch allen Sieger:innen!

Nichts jedoch war so überwältigend eindeutig wie das Ärgernis dieses Jahres, die fatale Spar- und Kulturpolitik in Berlin (20 Stimmen) und anderswo (7 Stimmen). Wobei fast schon überrascht, dass Ex-Kultur -senator Joe Chialo namentlich nur noch vier Kritiker:innen auf die Palme bringt. Die Kürzungen indessen haben überlebt.


Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Umfrage, Seite 118
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