Hair Metal

Staatstheater Braunschweig: Tennessee Williams «Die Katze auf dem heißen Blechdach"

Theater heute - Logo

Ein Geschenk. Florian Etti hat die Bühne des Braunschweiger Staatstheaters als Geburts–tagspäckchen verpackt, mit rosalieblichen Streifen und abgerundeten Ecken, an denen sich trefflich abrutschen lässt, wenn sich jemand in rebellischer Wut gegen die Wände wirft. Das Bühnenbild mag zwar süßlich aussehen, aber man braucht sich nichts vorzumachen: Man sieht diese Geschenkverpackung von innen. Und von innen ist es einerlei, ob man sich im Käfig befindet, in der Großfamilie oder im Geschenkpaket – man kommt nicht raus.

Anna Bergmann hat Tennessee Williams’ «Katze auf dem heißen Blechdach» in eine konsequent künstliche Welt verfrachtet. Alles ist hier süß, dumpf und glatt, und wenn mal ein körperliches Begehren an die Oberfläche drängt, dann in Gewaltform. Oder aber sublimiert: als Kumpelhomoerotik beim Football, als Reproduktionswahn, als cleaner Cheerleadersex. In einer anrührenden Videosequenz (Uli Plank) sehen wir kurze Moment–aufnahmen aus dem Ehealltag von Maggie (mit der patenten Erotik der Provinzschönheit: Theresa Langer) und Brick (stumpf dämmernd: Hanno Koffler): körperliche Nähe, die erst vom Prügeln abgelöst wird, dann von Tränen, dann vom Alkohol, in jeder Hinsicht eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2012
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Franz Wille: Die Bar gewinnt

Wer auf den verschlungenen Treppenhaus-Wegen ins Atrium des Züricher Schiffbaus, der ersten Station von Frank Castorfs «Amerika»-Reise, achtlos an der Schüssel mit kostenlosen Ohrstöpseln vorbeigegangen ist, dürfte seinen Hochmut bald bereut haben. Oben angekommen, in einem riesigen, von drei Bal­konetagen umrahmten Innenhof, wartet nicht nur das großzügig...

Vom Stand der Kunst

Am 12. Juni wird in Köln der 61. Preisträger des renommiertesten deutschen Hörspielpreises ausgezeichnet. Damit es bis zum Schluss spannend bleibt, gibt es erstmals eine Endrunde mit drei Nominierungen aus einem beachtlich starken Jahrgang von 22 Stücken im Wettbewerb. Darunter Alexander Kluges Katastrophen-Großessay «Die Pranke der Natur» (Bayerischer Rundfunk),...

Kessel der Erinnerung

Die Außenwelt scheint verloren, doch von innen fängt alles erst an. Der Einsame im Krankenbett liegt bei Gralf-Edzard Habben (Bühne) auf einem Steg aus sterilen weißen Kacheln in einem Meer aus schwarzen Ascheflocken. Dann öffnet sich das Fenster hinter dem Todgeweihten mit me­taphysisch-dunklem Rauschen und lässt die schwarz gekleideten, bleichgeschminkten Ahnen...