Gute Zeiten, schlechte Zeiten
So schlecht können die Zeiten gar nicht sein, gekokst wird immer. Kasimir hat zwar gerade seinen Job als Chauffeur verloren, aber wozu kennt er einen kleinkriminellen Dealer? Karoline möchte sich gesellschaftlich hocharbeiten, das weiße Pulver gehört zum Aufstieg ja quasi dazu. Seltsam eigentlich, dass noch niemand das Oktoberfest von seiner Drogenseite her beleuchtet hat: als schneller, trauriger Rausch, der rasant in einen bodenlosen Kater führt.
Normalerweise wird in Ödön von Horváths Oktoberfest-Klassiker «Kasimir und Karoline» zünftig Bier getrunken.
Das Zerbrechen einer Beziehung wird als böses Märchen erzählt, von einem Paar, das durch die Wirtschaftskrise hart auf die Probe gestellt wird – und scheitert. Wo der Kapitalismus zuschlägt, hört die Liebe auf. In Horváths berühmter «Stille» wachsen einem die unbeholfenen Figuren meist schnell ans Herz. Sie würden ja gern gut sein, aber irgendwie hat sich alles gegen sie verschworen, weil das Politische halt leider auch privat ist. Vielleicht sind wir zu schwer füreinander, sagt Karoline am Beginn.
Regisseurin Mateja Koležnik ist gnadenlos, sie hat das Stück zugespitzt und auf Koks gesetzt. Die beiden sind nicht zu schwer, ...
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Theater heute Mai 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Karin Cerny
Theater heute Herzlich willkommen zur Gesprächsrunde Theaterkritik! Zum Auftakt gleich ein Zitat der Schweizer Kuratorin Bice Curiger, die gerade in der «Neuen Züricher Zeitung» vom 21. März Folgendes geschrieben hat: «Theater-, Kunst-, Literaturkritik – existieren sie überhaupt noch? Ist es nicht so, dass ihre Tage gezählt sind? Zumindest in unserem kleinen,...
Sondervermögen
Was tun, wenn man nichts kann außer lesen und schreiben? Deutschlehrer wäre eine Möglichkeit gewesen, hätte sich nicht schon früh im Germanistikstudium die Erkenntnis eingestellt, dass ich nie so gut sein würde wie der, den ich in der gymnasialen Ober -stufe genießen durfte. Was folgte, erscheint aus heutiger Sicht folgerichtig: Schon während des...
Statt in den Zuschauerraum wird das Publikum auf die Bühne des Depot 2 geleitet und betritt hier eine seltsame Welt. Sphärische Klänge vermischen sich mit maschinenartigem Summen und Geräuschen, die entfernt an Tierlaute erinnern. Eine weißgekleidete weibliche Schaufensterpuppe hängt waagerecht an einem Seil in der Luft wie ein bizarres Flugobjekt. Langsam wird sie...
