Kunstwerke der Ich-Kooperation
Talentshows haben lange ein süßes Gift ins Unbewusste ihres Publikums geträufelt: Auch du kannst – und sollst, wenn du eine Frau bist – schlank, sexy, rein und begehrenswert sein, wenn du dich nur anstrengst.
Was, wenn jetzt eine Frau, einen Dolch im fauligen Gebiss, mit unreiner Haut, Augenklappe, schmuddeligem Rüschenhemd und «unten ohne», aber unrasiert, an der Volksbühne die Talentshow «Ophelia’s Got Talent» eröffnet – und sie zugleich im Piratenstyle kapert? Was, wenn Namenspatin Ophelia hier keine schöne Wasserleiche ist, sondern lauter quicklebendige Schülerinnen hervorbringt, die ihre Grenzen beim Apnoetauchen, Messerschlucken, Pole-Dance in schwindelnden Höhen, bei der Body-Suspension oder beim Masturbieren auf einem Helikopter erproben?
Dass Florentina Holzinger heftige Gegengifte zu gängigen Weiblichkeitsbildern brauen kann, hat sie schon oft unter Beweis gestellt, auch beim Theatertreffen. Doch mit ihrer maximalistischen Stunt-Show «Ophelia’s Got Talent» toppt sie ihre bisherige Arbeit, was Größe, Materialeinsatz und Vielfalt des Ensembles angeht. Dass dabei mehr als eine schiere Überbietungsshow entsteht, die mitunter auch ihre eigenen Ansprüche (Klimawandel, ...
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Theater heute Mai 2023
Rubrik: Best of, Seite 26
von Eva Behrendt
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