Gut gemeint

Kunst braucht Distanz und den Widerstand gegen die Anpassung an den gesellschaftlichen Zweck. Partizipation ist das Gegenteil.

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Das Theater und sein Publikum haben ihr Verhältnis bis dato über Komplementarität stabilisiert: Der Schauspieler spielt, der Zuschauer schaut. Jetzt scheinen wir in eine Phase einzutreten, die auf Homogenität als stabilisierenden Faktor setzt: Wir da oben und ihr da unten sind gleich; wir sprechen die gleiche Sprache, erzählen uns gegenseitig unsere Geschichten – deshalb können sich auch alle Zuschauer am Erzählen dieser Geschichten beteiligen.

Dieser Prozess der Homogenisierung ist keineswegs auf das Schauspiel beschränkt: Partizipative Kunst, die Ermächtigung des Betrachters, finden wir auch im Museum, bei «Mitmach-Orchestern» und im «City Dance».

Allerdings glauben manche, dass gerade das Schauspiel sich besonders gut für partizipa­tive Projekte eigne. Niemand würde z.B. Simon Rattle ernsthaft unterstellen, dass für ihn das Projekt «Rhythm Is It» die Arbeit mit hochqualifizierten Musikern und einem der besten Orchester der Welt ersetzt. Aber im Schauspiel, das – wenn über­haupt – nur einen sehr schwammigen Begriff von Handwerklichkeit besitzt, ist der gut ausgebil­dete, erfahrene Schauspieler im Handumdrehen durch den Laiendarsteller ersetzt. Auf einmal ist er wieder da, der ...

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Theater heute August / September 2010
Rubrik: Debatte, Seite 44
von Katharina Kreuzhage

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