Gut gemeint
Das Theater und sein Publikum haben ihr Verhältnis bis dato über Komplementarität stabilisiert: Der Schauspieler spielt, der Zuschauer schaut. Jetzt scheinen wir in eine Phase einzutreten, die auf Homogenität als stabilisierenden Faktor setzt: Wir da oben und ihr da unten sind gleich; wir sprechen die gleiche Sprache, erzählen uns gegenseitig unsere Geschichten – deshalb können sich auch alle Zuschauer am Erzählen dieser Geschichten beteiligen.
Dieser Prozess der Homogenisierung ist keineswegs auf das Schauspiel beschränkt: Partizipative Kunst, die Ermächtigung des Betrachters, finden wir auch im Museum, bei «Mitmach-Orchestern» und im «City Dance».
Allerdings glauben manche, dass gerade das Schauspiel sich besonders gut für partizipative Projekte eigne. Niemand würde z.B. Simon Rattle ernsthaft unterstellen, dass für ihn das Projekt «Rhythm Is It» die Arbeit mit hochqualifizierten Musikern und einem der besten Orchester der Welt ersetzt. Aber im Schauspiel, das – wenn überhaupt – nur einen sehr schwammigen Begriff von Handwerklichkeit besitzt, ist der gut ausgebildete, erfahrene Schauspieler im Handumdrehen durch den Laiendarsteller ersetzt. Auf einmal ist er wieder da, der ...
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Lotte Kotte ist eine traurige Heldin, die vor vielen Jahren von Botho Strauß auf den Weg durch die Vorhölle bundesrepublikanisch-bürgerlicher Wohlstandsverwahrlosung geschickt wurde. Sie – und mit ihr eine ganze Generation kritischer Theatermacher – fand nicht viel Gutes, Wahres, Schönes zwischen Remscheid und Essen. Der bürgerlich verfassten Gesellschaft wurde in...
