Neue Stücke
Dass es vor allem um das Prekäre des Sprechens geht, viel mehr noch als um die prekäre Existenz der Krankenpflegerin Erika, verrät schon der Stummeltitel des neuen Stücks von Ewald Palmetshofers: «tier. man wird doch bitte unterschicht». Simone Blattner inszeniert es in Dresden. Auf ganze Sätze kann man sich bei Christoph Nußbaumeder verlassen. «Eisenstein», vom Neu-Intendanten Anselm Weber in Bochum uraufgeführt, ist eine veritable Familien-Saga durch drei Generationen um «Liebe, Verrat und tiefes Schweigen» (Verlagsankündigung).
Lustiger geht es in Darmstadt bei Lukas Linder zu: Martin Ratzinger zeigt «Das traurige Schicksal des Karl Klotz», die pointenreich schräge Geschichte des fettleibigen Karl, der sich der «Normalität» partout nicht unterwerfen kann. «Eine Damenkomödie mit Herrenopfer», um nicht zu sagen: eine saftige Kastrationsfantasie, hat sich mit «Friday Night» Oliver Bukowski fürs Theater Osnabrück und Regisseur Jens Poth einfallen lassen. In Mannheim inszeniert Burkhard C. Kosminski Felicia Zellers spitzzüngiges Au-pair-Stück «Gespräche mit Astronauten» (Stückabdruck Th 12.09), und Mirja Biel setzt sich mit Ulrike Syhas «Herr Schuster kauft eine Straße» ans ...
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Fast ist es schon ein neues Genre, zumindest aber eine Erfolgsstory: das Stadtprojekt. Jedes deutsche Stadttheater, das etwas auf sich hält, machte sich in den letzten Jahren daran, die eigene Kommune und dabei besonders gern den Problem-Kiez unter die Lupe zu nehmen und auf schlummerndes dramatisches Potenzial hin abzuklopfen. Das bringt Bewegung ins...
Sie gleiten wie schlafwandelnde Eisläufer über die Bühne und passieren Spiegel, in denen sie wie flüchtige Erscheinungen auftauchen. Gelegentlich wandeln sie auch wie Pärchen, dann allerdings verschwindet plötzlich einer von ihnen hinter einem der Spiegel und wird scheinbar verschluckt. Da hat man den Eindruck, Mannheims Schauspielchef Burkhard C. Kosminski habe...
Lotte Kotte ist eine traurige Heldin, die vor vielen Jahren von Botho Strauß auf den Weg durch die Vorhölle bundesrepublikanisch-bürgerlicher Wohlstandsverwahrlosung geschickt wurde. Sie – und mit ihr eine ganze Generation kritischer Theatermacher – fand nicht viel Gutes, Wahres, Schönes zwischen Remscheid und Essen. Der bürgerlich verfassten Gesellschaft wurde in...
