Gustafs Güllen

Amélie Niermeyers erstes Düsseldorfer Jahr

Theater heute - Logo

Vielleicht macht der Ort es notwendig, die Stimme zu erheben, um sich bemerkbar zu machen. Was die Tonfrequenz betrifft, hatte der Beginn der neuen Düsseldorfer Schauspielhaus-Intendanz etwas marktschreierisch Buntes, fleißig assistiert von der Präsenz der Intendantin Amélie Niermeyer in den Gesellschaftsspalten der Lokalpresse. Flankierende Maßnahmen, um sich zu erklä­ren im Widerspruch von Öffentlichkeit suchendem und distanzierendem bis misstrauischem Verhalten.

Auf der Beton-Brache des Gustaf-Gründgens-Platzes verhallt alles so leicht.

Erinnerungen und Erfahrungen werden geschluckt. Seltsam resistent gegenüber ästhetischen Positionen und Herausfor­derungen, als seien Gosch, Gotscheff, Schleef spurlos vorübergegangen, lullt sich das Publikum stets aufs Neue ein und gibt sich süßem Vergessen hin. Was Urteilsvermögen anbelangt, nützt es offenbar wenig, dass dem Schauspielhaus direkt benachbart das Theatermuseum ein Archiv der Bühnengeschich­te unterhält.

Anscheinend korrespondiert etwas zwischen der Qualität eines Theaters und der Rezeption vor Ort. Die Mobilisierung identifikationsstiftender Stimmung findet neben einer Publikumssteigerung von satten 16 Prozent Ausdruck im «Gustaf», ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2007
Rubrik: Bilanzen, Seite 52
von Andreas Wilink

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Ich liebe es, abends den Grill aufzubauen»

Wenn es um die Schnittstelle von Bildender Kunst und Thea­ter geht, gehört der 1960 ge­borene Filmemacher und Regisseur Christoph Schlingensief zu den Grenzgängern par excellence. In den 90er Jahren mischte er mit talkshowartigen Abenden («100 Jahre CDU», «Schlacht um Europa»), politischer Aktionskunst («Bahnhofsmission Schlingensief», «Chance 2000», «Ausländer...

Die innere Uhr

Franz WilleHerr Baumbauer, wieso wol­len Sie die Münchner Kammerspiele nur noch bis 2009 leiten, das ist doch das schönste Theater, das es gibt?

Frank BaumbauerErstens habe ich große Lust, das Theater noch die nächsten zwei Jahre zu leiten. Zweitens versuche ich, mir immer selbst die Grenzen zu setzen – wie schon in Basel und Hamburg – aus dem Wissen um die für...

Neues aus dem wilden Osten

Neue Nachbarn lernt man kennen, indem man sich von ihnen Geschichten erzählen lässt. Wobei nicht nur der Inhalt, sondern vor allem auch die Art und Weise des Erzählens Aufschluss über die momentane Gemütslage, begründete und unbegründete Ängste und Hoffnungen geben können. Seit der Heidelberger Stückemarkt vor einigen Jahren, noch unter Intendant Günther Beelitz,...