Gustafs Güllen
Vielleicht macht der Ort es notwendig, die Stimme zu erheben, um sich bemerkbar zu machen. Was die Tonfrequenz betrifft, hatte der Beginn der neuen Düsseldorfer Schauspielhaus-Intendanz etwas marktschreierisch Buntes, fleißig assistiert von der Präsenz der Intendantin Amélie Niermeyer in den Gesellschaftsspalten der Lokalpresse. Flankierende Maßnahmen, um sich zu erklären im Widerspruch von Öffentlichkeit suchendem und distanzierendem bis misstrauischem Verhalten.
Auf der Beton-Brache des Gustaf-Gründgens-Platzes verhallt alles so leicht.
Erinnerungen und Erfahrungen werden geschluckt. Seltsam resistent gegenüber ästhetischen Positionen und Herausforderungen, als seien Gosch, Gotscheff, Schleef spurlos vorübergegangen, lullt sich das Publikum stets aufs Neue ein und gibt sich süßem Vergessen hin. Was Urteilsvermögen anbelangt, nützt es offenbar wenig, dass dem Schauspielhaus direkt benachbart das Theatermuseum ein Archiv der Bühnengeschichte unterhält.
Anscheinend korrespondiert etwas zwischen der Qualität eines Theaters und der Rezeption vor Ort. Die Mobilisierung identifikationsstiftender Stimmung findet neben einer Publikumssteigerung von satten 16 Prozent Ausdruck im «Gustaf», ...
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