Groteskes Triptychon

Herbert Fritsch verabschiedet sich formvollendet von der Berliner Volksbühne: «Pfusch»

Theater heute - Logo

Sie sind gekommen, um «Tschüss» zu sagen. Nach fünf Jahren an der Volks­bühne, nach fünf Jahren Festspielen mit der vielköpfigen Fritsch-Familie, die ein großer bunter Wanderzirkus ist: feinste Lachmuskelartisten, die Herbert Fritsch über die Zeit an zig Stadttheatern aufgetan hat. Jetzt treten sie noch einmal zur Rampe vor, einzeln, hundert letzte Minuten Hochdruck-Varieté liegen hinter ihnen. «Tschüss» sagen sie, der eine leise, die andere kraftvoll. Bei einem klingt es aasig wie ein «Schoass». Aber Schoass oder Scheiß ist es wahrlich nicht gewesen.

Sondern «Pfusch» pfurioso!

«Pfusch» hat Herbert Fritsch seinen finalen Volksbühnen-Streich genannt. Eine Uraufführung, weitestgehend wortlos, wie viele der para­digmatischen Arbeiten, die Fritsch an diesem Ort kreiert hat. Von «Murmel Murmel» über «Ohne Titel Nr. 1» bis «der die mann». «Hey Leute, lasst uns in die Röhre schauen», ist einer der wenigen Sätze, die an diesem Abend fallen. Und das ist erst einmal wortwörtlich gemeint. Ein riesiges Rohr, an sich aus Holz, doch in der Anmutung stählern wirkend, hat die Volksbühnen-Werkstatt für Fritsch (wieder Bühnenbildner in eigener Sache) gefertigt. Ein Kanalrohr. Zu  ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2017
Rubrik: , Seite 12
von Christian Rakow

Weitere Beiträge
Leipzig: Projekt Weltrettung

Endlich geht mal jemand die Sache mit der Weltrettung systematisch an. Beim «Grand Prix de la Vision» kann man ein Konzept zur grundlegenden Reform unseres Planeten einreichen, und in der gleichnamigen Show wird dann das beste prämiert. Carla, Anna, Scart und Halbgar lassen sich das nicht zweimal sagen und machen sich in Carlas altem Auto auf den Weg. Hinter...

Streifzüge mit Rennpferden und Sirenen

Jodeln ertönt wie von fern. Dann klappen die Fensterläden auf und geben den Blick frei auf das dahinterliegende Grün des Flusses. Darin: drei Frauen mit Badehauben, schwimmend, singend. Singen vorüber, in kräftigen Zügen. Und für einen trügerischen Augenschein, einen Wimpernschlag lang erscheint es der Betrachterin, als schwämmen sie in einem grünen Bergsee...

Debatte: Schlingensief verzweifelt gesucht

So viel wurde in München schon lange nicht mehr über Theater gestritten – zumindest in dieser Hinsicht dürfte sich Kammerspiele-Intendant Matthias Lilienthal am Ziel seiner Wünsche fühlen. Sonst liegen die Standpunkte derzeit weit auseinander – schon in der Frage, worum es in der Debatte überhaupt geht.

Zur Erinnerung eine kurze Chronologie der aufgetretenen...