Graz: Inszenierung mit Fußnoten
Thomas Bernhards letztes Theaterstück wurde genau 50 Jahre nach dem «Anschluss» Österreichs an Nazi-Deutschland uraufgeführt: «Heldenplatz» war der Beitrag des Burgtheaters zum Gedenkjahr 1988. Die Premiere war Auslöser eines legendären Theaterskandals, in dessen Verlauf unter anderem eine Fuhre Mist vor dem Theater abgelagert wurde und die «Kronen-Zeitung» mit der Fotomontage einer brennenden Burg aufmachte; 300 Seiten stark ist die Skandal-Chronik, die das Burgtheater damals herausgegeben hat.
Dass das Stück erst jetzt, mehr als 30 Jahre später, erstmals in Graz aufgeführt wird, könnte damit zu tun haben, dass die Stadt («Nazinest», «absolute Unstadt») im Text nicht gut wegkommt. Andererseits: Welche Stadt tut das bei Bernhard schon? Viel eher hängt es mit dem langen Schatten zusammen, den die legendäre Uraufführung auf das Stück wirft. Wer heute «Heldenplatz» inszeniert, muss sich zunächst einmal die Frage stellen, wie man aus einem Stück Zeitgeschichte wieder ein Theaterstück macht.
Der Skandal entzündete sich damals an manchen besonders deftigen Verbalinjurien gegen Österreich und dessen Politiker. In dem Wirbel ging ein wenig unter, dass «Heldenplatz» im Kern ein zutiefst ...
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Theater heute März 2020
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Wolfgang Kralicek
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