Frankfurt: Zur Hölle mit den anderen
«Die Hölle, das sind – die, die – die anderen.» Da ist es endlich, in der Mitte des Stücks, sein bekanntestes Zitat. Verstammelt, verdruckst. Es klingt fast wie eine Frage, weniger wie eine Feststellung. Denn die Hölle, das ist in der Bühnen-Interpretation von Johanna Wehner, jede*r auch sich selbst. In einem höllisch undurchsichtigen Jenseits führte Jean-Paul Sartre 1943 drei just Verstorbene zusammen, Inés, Estelle und Garcin.
Alle drei sind, als sie auf die Bühne geführt werden, noch sichtlich verfangen in der Welt, die sie gerade verlassen haben, alle drei haben dunkle Geheimnisse und Begierden, die sie voreinander zu verbergen suchen. In der Hölle gibt es keine Folterknechte, die sie zu Geständnissen zwingen, das machen sie unter sich aus: Die Kund*innen erledigen, wie Inés einmal schön zynisch sagt, die Arbeit selbst, «wie in Selbstbedienungsrestaurants». Nicht nur das klingt überraschend heutig in Sartres selten gespielter «Geschlossener Gesellschaft».
Johanna Wehner hat sie jetzt im Schauspielhaus des Schauspiel Frankfurt inszeniert. Und ihre Inszenierung als eine kritische Lesart des bekannten Bonmots angelegt: als eine Gesellschaft der Vereinzelten, die sich nur um sich ...
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Theater heute März 2020
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Esther Boldt
«Baut einen Weg», animiert der Schauspieler Maximilian Reichert die sechs Kinder, die im Zürcher Schauspielhaus einen imaginären Abgrund überwinden. Sie müssen den Teddy Alf retten. Über Stühle und Tische geht die waghalsige Menschenkette, mit rotem Tourenseil und Einkaufswagen. «Ihr müsst aufeinander aufpassen!» Und sie schaffen es, gemeinsam. Wie eine kleine...
Die letzten zweieinhalb Wochen, länger als die gesamte Dauer des chinesischen Frühlingsfestes, habe ich bei meinen Eltern in Changzhou 180 km westlich von Shanghai verbracht. Kurz nachdem ich ankam, am 23. Januar, wurde aufgrund der Coronavirus-Pandemie die Quarantäne über Wuhan verhängt und angekündigt, dass landesweit keine Feierlichkeiten im öffentlichen Raum...
Breitbeinig steht er da, dünn, blass. «Jeder Mensch ist ein Abgrund, es schwindelt einem, wenn man hinabsieht», sagt er tonlos zu sich selbst. Ein schmalbrüstiger Jüngling ist Woyzeck in Zino Weys Stuttgarter Inszenierung von Georg Büchners gleichnamigem Sozialdrama. Sylvana Krappatsch spielt den Multijobber geradezu autistisch, lehnt sich steifhalsig schräg nach...
