Grammgenaue Details
«Drogenabhängige sind die besten Schauspieler. Das sagen dir alle. Die spielen dir vor, was du willst», heißt es relativ am Anfang des Stücks. Und dann stehen da drei Schau -spieler:innen, Jenny Weichert, Gerd Zinck und Paul Trempnau, und spielen Drogenabhängige. Nein. Anders. Sie diskutieren darüber, distanzieren sich bewusst vom Spiel, streiten über Egoismus und Sucht, über das echte Leben und die Unmöglichkeit, dieses Thema auf die Bühne zu bringen: «Das geht gar nicht. Wir haben mit denen gesprochen und jetzt stellen wir das … dar.
» Immer wieder an diesem Abend legen sie den Abgrund offen, der sich zwischen Spiel und Ernst auftut. Zwischen Theater und Leben. Zwischen Recherche und schauspielernder Wiedergabe. Immer wieder referieren die Darsteller:innen auf ihre Quellen, zitieren und werden nicht müde, ihre Sätze mit «der Johannes / der Stefan / der Andreas / die Sabine sagt» zu beginnen.
Schließlich basiert Philipp Löhles jüngstes Stück auf wahren Geschichten und Lebensläufen. Kurz gesagt auf, wie es so hässlich euphemistisch heißt: Drogenkarrieren. Und auf einer monatelangen Recherche. Zahlreiche Gespräche hat Löhle mit «Johannes, Stefan, Andreas, Sabine» (und vermutlich ...
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Theater heute 6 2022
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Katrin Ullmann
«Jedenfalls, das Ende war ziemlich misslungen», stellt die Göttin Nummer eins fest. «Der Anfang ja auch», gibt ihre Kollegin, die Allmächtige Nummer zwei, zu bedenken. Und Nummer drei räumt freimütig ein, sich an den Anfang «gar nicht mehr erinnern» zu können. Daran, dass sich – kaum, dass die Erlauchten es mal wieder über sich gebracht haben, das erleuch -tete...
Der Hamburger Hansaplatz ist einer jener Orte, an denen die großstädtischen Widersprüche ungebremst aufeinanderprallen. Zentral im Viertel St. Georg gelegen, nur ein paar Schritte hinter dem Deutschen Schauspielhaus, hat sich der 1878 angelegte Platz zum Kriminalitätsschwerpunkt entwickelt, mit offenem Drogenhandel, Trinker -szene und Sexarbeit. Andererseits grenzt...
Wenn Wallenstein zum erstem Mal erscheint, scheppert es gewaltig. Weniger wegen des imposant schimmernden Brustharnischs überm Kettenhemd als wegen der Blechhandschuhe, mit denen er so ungeschickt wie notgeil die aus Wien heimkehrende Gemahlin befingert, die sich das, nicht weniger unter Druck, gern gefallen lässt. Nichtsdestotrotz wird atemlos Dialog gefeuert,...
