Gott, Welt und Theater
Zugegeben, die Uraufführungsinszenierung von Annette Pullen am Deutschen Nationaltheater Weimar ist misslungen, leider. Das macht eine Einladung nach Mülheim schwierig, ja. Aber dieses Stück ist dennoch diskussionswürdig, auch wenn man es nicht in jeder Hinsicht
bejubeln muss; sprachlich etwa ist es nicht durchweg überzeugend. Trotzdem: «Einige Nachrichten an das All» ist ein aufschlussreicher Kunstversuch über Gott, die Welt und das Theater. Das ist ziemlich viel.
Und es ist ein Stück Theater, das sich gegen ein Theater stemmt, das seine Aufgabe in der Bebilderung von Stücken sieht. Es ist, zum Beispiel, ein Stück mit Fußnoten, die einen Parallel- oder Anti- oder Subtext entwerfen.
Ob sich Fußnoten im Theater spielen lassen, ist eine der ungeklärten Frage, die Lotz aufwirft. Neu sind sie nicht, aber Neuheit ist ohnehin kein ergiebiges Kriterium, bei Fragen nach Gott, Welt und Theater schon gar nicht. Lotz liebt es, sich an den Rändern der handelsüblichen Logiken zu tummeln, jenseits des Wirklichkeitssinns, diesseits des bloß Spinnerten. «Wir befinden uns in einer Explosion, ihr Ficker»: Das ist das Motto dieses Dramas aus Sätzen, Szenen und Versen, die aus dem Inneren einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2011
Rubrik: Best of … Mülheimer Stücke, Seite 33
von Dirk Pilz
Und dann, als sich die Applausordnung zerstreut und die Akteure hinter die Bühne strömen, ist sie noch einmal da, diese eigentümliche schwebende Bewegung. Wie ein Eiskunstläufer gleitet er die steile Showtreppe hinauf. Gelöst beinah. Nur der Oberkörper unter seinem braunen, etwas steifen Sakko, der will so gar nicht hoch. Der beugt sich leicht vor, die Arme...
«Ach», Alkmenes Brustseufzer der Enttäuschung, war selten so angebracht: Dieser schlunzige Unterhemdträger soll ihr wahrer Angetrauter Amphitryon (Christoph Hohmann) sein? Und schlimmer noch: Jener ist das göttliche Double, der bärtig zauselige Mietskasernen-Jupiter im – ach – Unterhemd (Peter Pagel)? Verständlich, dass diese Alkmene (Marianna Linden) den...
Liebe Redaktion,
ich muss leider passen. Denke seit einigen Tagen herum, aber soooo richtig fällt mir nichts ein. Zumindest habe ich immer gleich schon selbst überzeugende Gegenargumente. Elfriede Jelineks «Werk/Bau/Sturz» in Köln, ja, aber wollen wir zweimal Jelinek? Christine Dössel hat die Auswahl von München gut begründet. Philipp Löhles «supernova» in Mannheim,...
