Gott, Welt und Theater
Zugegeben, die Uraufführungsinszenierung von Annette Pullen am Deutschen Nationaltheater Weimar ist misslungen, leider. Das macht eine Einladung nach Mülheim schwierig, ja. Aber dieses Stück ist dennoch diskussionswürdig, auch wenn man es nicht in jeder Hinsicht
bejubeln muss; sprachlich etwa ist es nicht durchweg überzeugend. Trotzdem: «Einige Nachrichten an das All» ist ein aufschlussreicher Kunstversuch über Gott, die Welt und das Theater. Das ist ziemlich viel.
Und es ist ein Stück Theater, das sich gegen ein Theater stemmt, das seine Aufgabe in der Bebilderung von Stücken sieht. Es ist, zum Beispiel, ein Stück mit Fußnoten, die einen Parallel- oder Anti- oder Subtext entwerfen.
Ob sich Fußnoten im Theater spielen lassen, ist eine der ungeklärten Frage, die Lotz aufwirft. Neu sind sie nicht, aber Neuheit ist ohnehin kein ergiebiges Kriterium, bei Fragen nach Gott, Welt und Theater schon gar nicht. Lotz liebt es, sich an den Rändern der handelsüblichen Logiken zu tummeln, jenseits des Wirklichkeitssinns, diesseits des bloß Spinnerten. «Wir befinden uns in einer Explosion, ihr Ficker»: Das ist das Motto dieses Dramas aus Sätzen, Szenen und Versen, die aus dem Inneren einer ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Best of … Mülheimer Stücke, Seite 33
von Dirk Pilz
Es war 1995 bei den Proben zu «Nibelungen – Born Bad». Herbert Fritsch, der den Hagen spielte, hatte sich als Kostüm ein Kettenhemdröckchen, langes Blondhaar und schwarze Strumpfhosen ausgesucht. Als besonderen Clou bestellte er in der Schlosserei für jeden Auftritt ein immer größeres Schwert, das er schließlich in voller Bühnenbreite über die Szene schleifte. Da...
Drei Komödien von je drei Akten, mehrere Schauplätze (in Livorno im Haus der Bürger Filippo und Leonardo, im nahe gelegenen Landhaus in Montenero), viel Personal, noch mehr Kostüme – wie bringt man dieses Monstrum von einem Stück auf die Bühne? Spitzt man aufs Wesentliche zu, setzt man satirische Akzente und auf höllisches Tempo? Oder
geht man im Gegenteil...
Immerhin ein kleiner Mann sieht nach der großen Revolution noch so aus wie vorher: der Hausmeister (Dilaver Gök). Der darf im klischeegrauen Mantel auf die Bühne schlurfen und saubermachen, wenn die Herrschaften Revolutionäre beim heftigen Disput für und wider ein Guillotinen-Blutbad mal wieder den Konferenzraum verwüstet haben. Und was hat er selbst von der...
