Goldschmied der Ironie
Es gibt sie tatsächlich, die Theaterkritiker, die in ihrem Leben nichts von Bedeutung erlebt haben, außer, was ihnen die Bühne als Material anbot. Was von Kritik verletzte Schauspieler und Regisseure seit ewigen Zeiten als gehässige Vermutung über den Beruf des Aufführungsrichters ablassen, dass diesen wohl nur im Leben Zukurzgekommene ergreifen, die das Theater behandeln, umarmen und bestrafen müssen wie eine eigensinnige Geliebte, das bestätigt ihnen jetzt Gerhard Stadelmaier: mit einer Lebensbeichte ereignisloser Jahre auf 220 Seiten verketteter Bandwurmsätze.
Zwar nennt der langjährige Cheftheaterkritiker der «FAZ» den Einblick in sein monothematisches Beobachterleben mit dem Titel «Umbruch» Roman, spricht von sich selbst über viereinhalb Lebensjahrzehnte hinweg immer nur in der dritten Person als «der junge Mann» und verrätselt alle halbwegs berühmten Persönlichkeiten aus Theater und Journalismus bis zur totalen Kenntlichkeit. Alles andere an diesem Buch ist aber so derartig ungetarnte Biografie, dass es auch jeder «FAZ»-Verweigerer sofort versteht.
Denn in Stadelmaiers «Umbruch» geht es im Wesentlichen nur um diese zwei Dinge: Der «junge Mann» im Theater ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Bücher, Seite 60
von
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Das goldene Vlies aus der Argonautensage ist so etwas wie der «McGuffin» bei Hitchcock: ein sagenumwobenes Ding, um das sich alles dreht, obwohl es selbst eigentlich nichts zur Sache tut. In seiner Trilogie «Das goldene Vlies» (1821) liefert der österreichische Klassiker Franz Grillparzer zur Medea-Tragödie noch die Vorgeschichte dazu. Im ersten Teil, dem...
