Die richtige Seite
Wie auf einer riesigen Welle tänzelnd, nähert sich dem Publikum ein schmächtiger, verschlagene Präsenz ausstrahlender Anzugträger. Sein siegesgewisses Lachen überträgt ein zweiköpfiges Kamerateam kinogroß auf den über der Bühne prangenden Bildschirm. Im Nu erklimmt er die Sitzreihen, stellt den in ängstlicher Faszination verharrenden Zuschauern übergriffige Fragen und hält einen Monolog über die Zerstörung als Lebensprinzip: «Der Anblick von Zerstörtem verschafft mir ein Schauspiel tiefster Harmonie.
» Der Zerstörungsfetischist heißt Nick, ist Fernsehjournalist und repräsentiert eine zeitgenössische Jago-Figur. Exemplarisch steht er für die mediale Manipulation in unserer digitalen Welt: Der berufliche Aufstieg und die Neuausrichtung des ursprünglich kritischen Nachrichtensenders 1West als rechtsextreme Meinungsschmiede (der selbsternannten «Bürgerpartei» AfE) gelingt ihm durch trickreiche mediale Manöver, bei denen mehrere Menschen ihr Leben lassen.
Entstanden als kollektive Stückentwicklung in einem sogenannten Writers’ Room dreier Autoren (Volker Lösch, Oliver Schmaering, Ulf Schmidt, s. TH 10/2016), nimmt «Das Prinzip Jago» Motivik und Figuren seines berühmten Prätextes ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 28
von Natalie Bloch
Es gibt sie tatsächlich, die Theaterkritiker, die in ihrem Leben nichts von Bedeutung erlebt haben, außer, was ihnen die Bühne als Material anbot. Was von Kritik verletzte Schauspieler und Regisseure seit ewigen Zeiten als gehässige Vermutung über den Beruf des Aufführungsrichters ablassen, dass diesen wohl nur im Leben Zukurzgekommene ergreifen, die das...
Andrzej Wajda: Ich habe nicht viel Zeit, verstehen Sie. Wer 90 ist, ist ein alter Mann. Deswegen beeile ich mich und denke schon an den nächsten Film. Solange ich stehen kann, ausreichend Kraft habe, um mich beim Filmteam durchzusetzen, solange werde ich drehen.
Donata Subbotko: Hatten Sie vor, so alt zu werden?
Wajda: Nein. Als der Krieg zu Ende ging, war ich 19,...
Mein amerikanischer Kollege, der Dramatiker Eugene O’Neill, hat unser Land das schönste gescheiterte Experiment in der Menschheitsgeschichte genannt. Das war in den 30er Jahren. Aber jetzt gibt es nichts Schönes mehr bei uns, jetzt sind wir komplett im Eimer.
Wir haben nicht lange gebraucht, um dorthin zu gelangen. Keine 250 Jahre. So alt ist bei euch manches...
