Göttingen: Die soziale Ader

Georg Kaiser «Gas»-Trilogie

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Zuletzt hatte sich Regie-Veteran Hansgünther Heyme an dem sperrigen Stoff versucht: mit dem Karlsruher Ensemble und für die Ruhrfestspiele in Recklinghausen. Aber absehbar blieb auch diesmal wieder, dass die beiden «Gas»-Stücke des expressionistischen Dramatikers Georg Kaiser nicht wirklich zurückzugewinnen sind fürs Repertoire.

Denn obwohl ziemlich viel Material ziemlich zeitgenössisch erscheint (strategische Fragen etwa von Industriepolitik und Innovation, von Krieg und Profit), ächzt das demnächst hundert Jahre alte Doppel-Stück beträchtlich unter der Last seiner ambitionierten Konstruktion. Von der expressionistischen Sprache ganz zu schweigen.

Außerdem bleibt vieles unklar – wo zum Beispiel hat der Unternehmer am Beginn des ersten «Gas»-Teils, Chef des Gaswerks, das ihm gleich zu Anfang spektakulär um die Ohren fliegt, bloß die idealistische Haltung her? Er will ja nur Gleicher unter Gleichen sein im Gaswerk, ein Sozialist im Chefsessel; selbst der Tochter, die einen Militär heiratet, will er später mal nichts zu vererben haben … Über diesen wunderlichen Menschen gibt «Die Koralle» Auskunft, das Stück, das dem «Gas»-Doppel vorausging und das die Geschichte des ...

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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Michael Laages

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