Göttingen: Die soziale Ader

Georg Kaiser «Gas»-Trilogie

Theater heute - Logo

Zuletzt hatte sich Regie-Veteran Hansgünther Heyme an dem sperrigen Stoff versucht: mit dem Karlsruher Ensemble und für die Ruhrfestspiele in Recklinghausen. Aber absehbar blieb auch diesmal wieder, dass die beiden «Gas»-Stücke des expressionistischen Dramatikers Georg Kaiser nicht wirklich zurückzugewinnen sind fürs Repertoire.

Denn obwohl ziemlich viel Material ziemlich zeitgenössisch erscheint (strategische Fragen etwa von Industriepolitik und Innovation, von Krieg und Profit), ächzt das demnächst hundert Jahre alte Doppel-Stück beträchtlich unter der Last seiner ambitionierten Konstruktion. Von der expressionistischen Sprache ganz zu schweigen.

Außerdem bleibt vieles unklar – wo zum Beispiel hat der Unternehmer am Beginn des ersten «Gas»-Teils, Chef des Gaswerks, das ihm gleich zu Anfang spektakulär um die Ohren fliegt, bloß die idealistische Haltung her? Er will ja nur Gleicher unter Gleichen sein im Gaswerk, ein Sozialist im Chefsessel; selbst der Tochter, die einen Militär heiratet, will er später mal nichts zu vererben haben … Über diesen wunderlichen Menschen gibt «Die Koralle» Auskunft, das Stück, das dem «Gas»-Doppel vorausging und das die Geschichte des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2015
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Michael Laages

Weitere Beiträge
Szenenapplaus für eine Schreibmaschine

Sie haben die Band wieder zusammen­gebracht: Mit dem neuen Schauspielchef Stefan Schmidtke kam auch der russische Autor und Performer Jewgeni Grischkowez nach mehrjähriger Pause zurück zu den Wiener Festwochen. In den Nullerjahren gehörte Grischkowez zu den Stammgästen und Publikumslieblingen des Festivals; mitverantwortlich für den Erfolg seiner Erzähltheatersolos...

Darmstadt: Heimatklänge

Um es klar zu sagen: Auch in Darmstadt sieht man nicht mehr Menschen als anderswo mit schäbigen Klamotten, deren Zittern ihre Getränke-Vorlieben verrät (eine Eigenschaft, von der der Dat­terich seinen Namen hat). Ich habe auch in Darmstadt noch nie gehört, dass jemand die einschlägigen Datterich-Sätze sagt: «Trinke Se, da komme Se uf annern Gedanke.» Oder, ganz...

Leben verleihen

Ewald Palmetshofer, 1978 in Linz geboren, wächst im Mühlviertel, genauer in Mönchdorf, in Oberösterreich auf. Nach Schule und Zivildienst geht er nach Wien, um zunächst Theaterwissenschaft und Germanistik, dann Theologie, Philosophie und Psychologie auf Lehramt zu studieren.

Ich habe mich länger gefragt, ob ich überhaupt diese wenigen biografischen Daten dieser...